Praktisch, aber teurer als Lebendware

13. Februar 2006, 21:57
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Das Jahr des Hundes ist angebrochen: Ein Blick auf das Auktionsangebot in der Kategorie Vierbeiner

Es reicht von einfachen schwarzen Hunden über ganze Familienverbände bis hin zu einem dreizehnschnäuzigen Rudel an New Forest Foxhounds.


Nein, Hunde sind bei Weitem nicht die häufigste auf Gemälden anzutreffende Spezies der Fauna. Das sind nämlich Pferde. Dann erst kommt der Hund als treuer Begleiter.

Und versierte Kunsthistoriker apportieren hier namhafte Beispiele: Schon auf der Verlobung der Arnolfini von Jan van Eyck aus dem Jahr 1434 trappelt ein kleiner possierlicher Pinscher dem Beschauer entgegen. Auf Tizians Venus in den Uffizien in Florenz teilt ein Bologneser das Lager seiner schönen blonden Herrin. Velázquez wiederum malte spanische Infanten nicht selten als Jäger, begleitet von großen Doggen.

Für Friedrich den Großen waren wiederum Windspiele charakteristisch, die Schadow der entzückenden Bronzestatuette in Sanssouci hinzufügte. Im 19. Jahrhundert kehrte sich die Darstellungsform um, Hunde waren nun nicht mehr nur Begleiter, sondern das Motiv selbst.

In der heimischen Kunstgeschichte finden sich hierzu ebenso zahlreiche Beispiele wie in der internationalen. Im Herbst 2005 gelangten etwa im Dorotheum in der Sparte Gemälde des 19. Jahrhunderts zwei Bilder von Carl Reichert zur Auktion: Die in Öl auf Holz festgehaltenen Pudel – ein weißer und ein schwarzer Genosse, jeweils mit rotem Halsband – waren auf je 5000 bis 7000 Euro taxiert und fanden als Paar schließlich über den Sensal bei 22.000 Euro einen neuen Besitzer.

Carl Reichert – nicht zu verwechseln mit jenem Reichert, der 1876 in Wien die Optischen Werke C. Reichert gründete – gilt als beliebter Tier-, Genre- und Vedutenmaler, war mit Anton Romako befreundet und seit 1874 Mitglied des Künstlerhauses.

Schoßtierfamilien

Für Liebhaber der heimischen Schoßtierfraktion bietet der Auktionskalender schon bald die nächsten Chancen: Am 18. April trippelt ein 1869 von Carl Reichert ausgeführter schwarzer Hund in den Auktionssaal des Dorotheums. Zwei Monate davor (16. Februar) wartet gleich eine ganze Hundefamilie von Sophie Sperlich bei einer Taxe von 1300 bis 1500 Euro auf eine neue Heimat.

Deutlich höher dotiert ist der amerikanische Markt. Seit bald zwei Jahrzehnten werden dort eigene Dog Art Sales in New York veranstaltet. Bei Bonhams gelangt so nun am 14. Februar eine insgesamt 250 Arbeiten umfassende Kollektion unter dem Hammer, die laut den hauseigenen Experten mehr als zwei Millionen Dollar einspielen wird. Allein für das Highlight des Events, John Emms (1844– 1912) 104 x 157 cm großes Gemälde New Forest Foxhounds, liegen die Erwartungen für 800.000 bis 1,2 Millionen Dollar, was einen Pro-Schnauze- Wert von 61.500 Dollar für jeden der abgebildeten 13 Hetzhunde ergäbe.

Der englische Maler und Radierer John Emms ist auf dem amerikanischen Markt gut nachgefragt und ein entsprechender Umsatzbringer für die Auktionshäuser: 64 Prozent seiner Arbeiten wechseln hier den Besitzer, "nur" 35 Prozent in seinem Heimatland. Weitere von Bonhams angebotene Arbeiten zeigen Hunde in einem Zwinger (70.000–90.000 Dollar) und eine Gruppe von kurzbeinigen Dandie-Dinmont-Terriern (40.000–60.000 Dollar). (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 9.2.2006)

Von
Olga Kronsteiner

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bonhams.com/dogs

  • Rasse mit Klasse: Laut Experten des amerikanischen Auktionshauses Bonhams soll diese Gruppe von New Forest Foxhounds am Valentinstag bis zu 1,2 Millionen Dollar einspielen.
    foto: bonhams

    Rasse mit Klasse: Laut Experten des amerikanischen Auktionshauses Bonhams soll diese Gruppe von New Forest Foxhounds am Valentinstag bis zu 1,2 Millionen Dollar einspielen.

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