Hände im Mondlicht

13. Februar 2006, 21:57
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Pioniere der Fotografie im Angebot von Christie's und Sotheby's

Edward Steichen, Cecil Beaton, Henri Cartier-Bresson und Robert Capa sind nur einige der großen Namen am Himmel der Fotojournalisten. Lange Zeit waren ihre Arbeiten weniger nachgefragt als jene der Kollegen, die in künstlerischer Absicht auf den Auslöser drückten.

Das hat sich im vergangenen Jahrzehnt massiv geändert. Seit 1996 stieg der Umsatz in diesem Marktsegment um mehr als 500 Prozent, wozu vor allem die starke Entwicklung des amerikanischen – für 51 Prozent der Umsätze verantwortlich –, des französischen sowie des Marktes Großbritannien beigetragen haben.

Und neben groß angelegten Museumspräsentationen hat oftmals auch das Ableben eines Fotografen die Hand mit im Spiel: So stiegen die Umsätze für Arbeiten Henri Cartier-Bressons seit seinem Tod 2004 um nahezu 55 Prozent.

Das Gros seiner Arbeiten wechselt hier allerdings über amerikanische Auktionssäle den Besitzer (71 Prozent), während sich die Nachfrage in seiner Heimat eher verhalten präsentiert (7 Prozent). Die meisten Zuschläge liegen in einer Preisklasse von 1000 bis 5000 Euro.

Aber Henri Cartier-Bresson ist auch für den einen oder anderen Auktionsrekord gut. Die von Christie's im Oktober 2005 unters Publikum verteilte Elfering-Collection inkludierte einen solchen: Seine Picknick-Szene am Flussufer (On the banks of the Marne von 1938) erzielte einen Bruttopreis von 132.000 Dollar (110.000 Dollar netto).

Am 14. und 15. Februar gelangen nun bei Sotheby's 130 Fotografien aus der Sammlung des Metropolitan Museums of Art – inklusive der Gilman Paper Company Collection – zur Auktion, die zwischen vier und sechs Millionen Dollar einspielen sollen. Eine einmalige Chance für Liebhaber und ein Meilenstein in der jüngeren Marktgeschichte, denn in dieser Qualität werden so schnell nicht wieder vergleichbare Foto-Ikonen im Angebot sein.

Zwei Pioniere dominieren das Angebot: Edward Steichen (1879–1973) und Alfred Stieglitz (1864–1946). Von Letzterem gehört die Serie mit Bildern von Georgia O'Keefe, die Alfred Stieglitz seit 1917 und über zwei Jahrzehnte lang von seiner Geliebten machte, zu den Highlights (u. a. Hands, 300.000–500.000 Dollar).

Frühe Landschaften

Von Edward Steichen dürfte Mondlicht über dem Weiher einen Rekord bringen. Der auf 700.000 bis eine Million Dollar taxierte Abzug ist einer von nur drei bekannten und gilt in der Fachwelt als die mit Abstand beste aus der Fülle von Steichens frühen Landschaftsfotografien.

Viele seiner Fotografien sind mit 1000 bis 10.000 Euro auch noch mit kleineren Budgets erschwinglich. 2005 stieg Edward Steichens Preisindex allerdings massiv an, als Christie's in Paris die Sammlung Claude Berris versteigerte, wo Steichen-Werke zwischen 25.000 und 85.000 Euro brachten, sowie eindrucksvolle 130.000 Euro für Rodins Balzac.

Im November zog Sotheby's nach und erzielte für sein Porträt von Gloria Swanson aus dem Jahr 1924 gigantische 230.000 Dollar. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 9.2.2006)

Von
Olga Kronsteiner

Links

www.sothebys.com

www.christies.com

  • Georgia O'Keefes Hände vor Alfred Stieglitz' Linse bei Sotheby's
    foto: stieglitz

    Georgia O'Keefes Hände vor Alfred Stieglitz' Linse bei Sotheby's

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