Ex-Außenminister Dänemarks: "Ein Desaster"

1. März 2006, 12:18
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Uffe Ellemann-Jensen im STANDARD-Interview: "Land wird sich lange nicht vom Image-Schaden erholen"

STANDARD: Was haben Sie beim Anblick der Karikaturen in der "Jyllands Posten" empfunden?

Ellemann-Jensen: Dass deren Veröffentlichung total unnötig ist, weil diese Karikaturen die Gefühle vieler Menschen verletzen. Muslime sind in Dänemark eine Minderheit. Ich finde es sehr wichtig, dass man gerade diese respektiert.

STANDARD: Haben Sie die harschen Proteste, die mittlerweile ja völlig außer Kontrolle geraten sind, überrascht?

Ellemann-Jensen: Nein. Man muss sich die Absicht dieser Karikaturen vor Augen halten. Muslimen wird gesagt, sie sollen sich doch auch so benehmen wie wir in unserer Kultur, in der man alles lächerlich machen darf.

STANDARD: Dieses Recht bezeichnen viele Menschen aber als Pressefreiheit.

Ellemann-Jensen: Mein Vater sagte immer: Die Freiheit der Rede, alles zu sagen, was man möchte ist ein Recht, aber keine Verpflichtung. Wir üben doch alle immer wieder Selbstzensur. Wenn man mit Menschen in einem Zimmer ist, behandelt man diese ja auch mit Respekt und behält manches für sich. Das sollte auch für den globalen Raum gelten, in dem wir leben.

STANDARD: Was bedeutet diese Affäre für Dänemark, das als liberal und gemütlich galt?

Ellemann-Jensen: Es ist ein Desaster. Das Bild, das nun gezeichnet wird, entspricht überhaupt nicht der Realität. Dänemark spielt international bei der Friedenssicherung eine wichtige Rolle und Dänemark gehört weltweit auch zu den Ländern, die am meisten Geld für die Entwicklungshilfe geben.

STANDARD: Was kann und muss Dänemark zur Schadensbegrenzung tun?

Ellemann-Jensen: Immer wieder darauf hinweisen, dass unser Land nicht Freude daran hat, Minderheiten zu beleidigen. Es ist natürlich schwierig, weil man überhaupt nicht weiß, wie das alles endet. Und es wird noch lange dauern, bis sich die Lage beruhigt hat. Gut tut Dänemark auf jeden Fall die Solidarität der EU und der USA, die die Ausschreitungen verurteilen. (DER STANDARD, Print, 8.2.2006)

Die Fragen stellte Birgit Baumann.

Zur Person:

Uffe Ellemann-Jensen (64) war in den 60er- und 70er- Jahren Herausgeber und Chefredakteur verschiedener Zeitungen in Dänemark. Von 1982 bis 1993 war er Außenminister. Seine Partei ist die rechtsliberale "Venstre" , die derzeit den Premier Anders Fogh Rasmussen stellt.

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    Uffe Ellemann-Jensen

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