Scharfe Kritik am regen Handel mit Neonazi-Artikeln auf eBay

23. März 2006, 12:59
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Zentralrat der Juden in Deutschland beklagt mangelnde Reaktion des Online-Auktionshauses - eBay gesteht Handlungsbedarf ein

Der Zentralrat der Juden in Deutschland hat das Internetauktionshaus eBay scharf kritisiert, weil dort noch immer Neonazi-Artikel versteigert werden. Der Zentralrat habe bereits 2002 an eBay geschrieben und darauf aufmerksam gemacht, dass es so nicht weitergehen könne, sagte der Vizepräsident des Zentralrats, Salomon Korn, laut einem am Montag vorab veröffentlichten Interview der ARD-Sendung "Report Mainz".

Keine Lösungen

"Das Gleiche geschah noch mal im Jahr 2004 und im Dezember 2005 ein drittes Mal und es stellte sich jedes Mal heraus, dass eBay zwar schöne Worte findet, aber das Problem nicht in den Griff bekommt. Ich denke, das Problem ist in den Griff zu bekommen", erklärte Korn demnach.

Problemlos

Redakteuren des Politikmagazins war es dem Vorabbericht zufolge gelungen, in Deutschland unter anderem verbotene Musik von Neonazi-Bands wie "Landser", "Kommando Freisler" oder "Weisse Wölfe - Weisse Wut" zu ersteigern. Zudem seien in den vergangenen Wochen etliche unkommentierte Ausgaben von Hitlers "Mein Kampf" angeboten worden, hieß es.

Eingeständnis

eBay selbst zeigte sich am Montag alarmiert von den Recherchen. Diese machten deutlich, dass weiterer Handlungsbedarf bestehe, hieß es. Daher werde man bereits bestehende Maßnahmen, wie die ständige Durchkämmung des Angebots und die Zusammenarbeit mit externen Experten wie dem Verfassungsschutz, ergänzen. Da ein großer Teil der Angebote über die ausländischen eBay-Marktplätze nach Deutschland gelange, solle künftig die eBay-interne Zusammenarbeit auf internationaler Ebene forciert werden.

Verbot

"eBay toleriert in keiner Weise Angebote, die Hass, Gewalt oder Rassenintoleranz fördern oder verherrlichen", stellte das Internet-Auktionshaus klar. Prinzipiell ist es bei eBay verboten, "Artikel anzubieten, die den Nationalsozialismus oder extremistisches und/oder verfassungsfeindliches Gedankengut verherrlichen oder verharmlosen", wie es in den Grundsätzen heißt.

RTL

Kritik kam auch vom früheren RTL-Chef Helmut Thoma, der sich im Verein gegen Missbrauch in Internet (naiin) engagiert. Zwar sei es durchaus möglich, dass "hier und da mal ein Einzelfall durchrutschen kann", erklärte er. "Aber das ist ja offenbar durchaus schon ein nennenswerter Bereich, der ganz einfach nicht durchrutschen darf." Der Rechtsextremismusforscher Hajo Funke sagte dem Vorabbericht zufolge: "eBay ist offenkundig ein wichtiges Vermittlungsinstrument für Neonazis geworden." (APA)

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eBay

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