Gentech-Entscheid: US-Konsumenten uninformiert

22. März 2006, 11:08
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Kennzeichnung der Produkte basiert nur auf freiwilliger Basis

Das Angebot in der Cerealien-Abteilung der Supermarktkette Wal Mart in dem New Yorker Vorort ist riesig. Cornflakes, Frühstücksmüsli, Weizenflocken in riesigen Schachteln sind dort sorgfältig in einer endlos langen Reihe gestapelt. Kritisch überprüft Elisa Davis, eine Lehrerin, das Angebot. Leicht ist es nicht, herauszufinden, in welchen Lebensmitteln Anteile mit Genveränderten Pflanzen drinnen sind - eine diesbezügliche Kennzeichnung in den USA passiert nur auf freiwilliger Basis. Aber das stört die meisten Konsumenten nicht. GVO, genveränderte Organismen, sind in den USA kein Thema.

"In den Vereinigten Staaten, einer Bastion von Konsumentenmacht, ist es verwunderlich, dass viele Konsumenten der Biotechnologie überraschend gelassen gegenüberstehen und relativ wenig dazu getan haben, den Fluss von GVO in ihre Märkte aufzuhalten", schreibt Patricia L. Maclachlan von der University of Texas in Austin.

Kennzeichnung

Obwohl viele Konsumenten über die Tendenz der zuständigen Regierungsorganisationen, ihre Entscheidung über die Sicherheit von Nahrungsmitteln auf den Daten der Hersteller zu basieren, beunruhigt sind, stelle sich immer wieder die Frage, warum US-Konsumentenorganisationen so weit hinter ihren EU-Pendants zurückgeblieben sind, insbesondere was die Forderung strikterer Kriterien und besserer Aufschriften betrifft.

Ein 2003 von dem erfolglosen demokratischen Präsidentschaftskandidaten Dennis Kucinich eingebrachtes Gesetz, das die detaillierte Beschriftung von GVO fordert, verlief von der Öffentlichkeit ungehört im Sand. Kucinich will das Gesetz immer wieder einbringen und wird dabei von einer politischen Aktionsgruppe unterstützt (siehe Webtipp).

Es stimmt zwar, dass nicht nur Randgruppen, sondern auch eine Reihe von in den USA prominenten NGOs, darunter der Sierra Club und Greenpeace, heftig die Trommel gegen GVO rühren, aber bisher haben sie bei der Bevölkerung kein wirkliches Echo gefunden, wenigstens nicht seit dem 11. September 2001. "Man darf nicht vergessen", sagt Davis, die ihre Nahrungsmitteleinkäufe kritisch und unter sorgfältigem Prüfen von Aufschriften tätigt, im Gespräch mit dem STANDARD, "dass die Amerikaner seit 9/11 mit ihrer nationalen Sicherheit beschäftigt sind und mit sonst nichts. Und unsere Regierung hat ihre Fähigkeit, die Amerikaner abzulenken, ausgenutzt, um riesige Brocken ihrer eigenen Programme durchzusetzen."

Politmotive

Glühende Verfechter dieser Programme zur Förderung und Entwicklung von GVO-Pflanzen als Saatgut und Futtermittel sind etwa in regierungsnahen Stellen wie dem American Enterprise Institute (AEI) oder dem Hudson Institute zu finden. Jon Entine von AEI argumentiert, dass die Gegner der GVO aus rein politischen und nicht wissenschaftlichen Motiven handelten und malt das Gespenst von Millionen von hungernden Kindern in Entwicklungsländern an die Wand. Und Alex Avery von Hudson prangt die (ohnehin relativ kleine) Anti-GVO-Bewegung als "ökologische Apartheid" an. (Susi Schneider, New York, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 7.2.2006)

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