Kabarettschock für Elektrofreunde

6. Februar 2006, 19:57
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Karl F. Kratzls Programm "Schwänzeltanz" ist nicht einmal Nonsens

Wien - Nicht alles, was man nicht beschreiben kann, ist gut. Karl Ferdinand Kratzls Bienen-, Schneeschaufel- und Elektrofachhändleruniversum zum Beispiel. Im neuen Programm des Kabarettisten, Schwänzeltanz oder Das große Summen, führt aufgrund inhaltlicher Dürftigkeit und dramaturgischer Schwerenot nichts zum geglückten Abend.

Es beginnt damit, dass ein kleiner Lockenschopf seinen Hunger nach Elektrizität mit Glühbirnen stillt. Er zerbeißt kleine Lämpchen, die einmal zur Weihnachtskrippe gehörten, um große Energien ohne Umschweife zu verinnerlichen. Es folgt eine Elektrikerlehre und dann der Aufbau eines Großunternehmens. Am Höhepunkt seines wahnwitzigen Erfolges wird der Protagonist, von dem Karl F. Kratzl berichtet, am Cobenzl vom Blitz getroffen. Und stirbt nicht. Die elektrischen Lichter der Intensivstation wecken die Lebensgeister wieder, und so vollziehen sich mehrere Wiedergeburten mit jeweils neuen Zielen: Gutes tun (im Pflegeheim arbeiten), Spaß verbreiten (Humorseminare für Embryonen), körperlich arbeiten (Schneeschaufeln).

In dieser letzten Lebensschleife bleibt der Naturgelockte (Kratzl trägt dann Perücke) hängen und gründet ein neues Imperium: vazierende Kuschelpuffs (Nähe statt Sex), die - man ahnt es schon - auch nicht der Weisheit letzter Schluss sein können. Aber auch die zweiten 45 Minuten dieses mit einer Pause lächerlich geteilten Abends bringen keine Klärung: Eine Honigallergie verhilft dem Mann immerhin zum Imkerberuf.

Während Musikerin Gabriela Bone die bevorzugt infantile Sprache Kratzls ("Die Bienen tun Architekt sein") im Hintergrund des Kabarett Niedermair mit Suppekochen und nervtötendem Summen begleitet, bahnt sich die Einsicht an, hier wäre Nonsens das Ziel gewesen, doch der Regisseur kam nicht ... (DER STANDARD, Printausgabe, 7.2.2006)

Von Margarete Affenzeller
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    foto: kabarett niedermair
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