Enterprise ruft ORF

13. März 2006, 15:46
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Sicher. Zu verlangen, Fernsehen solle etwas übers wirkliche Leben berichten, ist eine seltsame Forderung ...

Sicher. Zu verlangen, Fernsehen solle etwas übers wirkliche Leben berichten, ist eine seltsame Forderung. Zum einen ist TV doch das Weltfluchtmedium. Zudem bietet der Begriff Wirklichkeit einen gewissen Deutungsspielraum. Gibt es etwa Zeitgenossen, die sich "Raumschiff Enterprise" bis ans Ende aller Tage gönnen, um der schnöden Wirklichkeit "Tschüs" zu sagen, so guckt ein fantasievoller Teil gerade deshalb, weil ihm Kirk und alle seine Nachfolger sehr real vorkommen.

In einer Doku - ist schon länger her, blieb aber unvergesslich - wurde von einem Raumschiff-Fan jedenfalls der Wunsch geäußert, einmal mit der Enterprise mitzufliegen. Zum anderen: Was uns als real angeboten wird - etwa das Format "Real World" (MTV) -, kann sehr unangenehm sein, auch wenn man nicht sagen kann, wie echt oder gestellt es da tatsächlich zugeht. So viel weinende Mädchen und saufende, fluchende Jungs! Das ist so schwer zu ertragen wie die tränenverschmierten Mädchen in Heidi Klums Show "Germany's Next Topmodels", wo es auch um die Realität eines Berufes gehen soll.

Nun gibt es jedoch Dinge - wie brennende Botschaften -, die, auch weil sie in den letzten Tagen die Titelseiten aller Zeitungen zieren, vermuten lassen, es handle sich dabei um wirkliche, wichtige und diskussionswürdige Phänomene. Die Redaktion von "Offen gesagt" setzte aber auf Feinstaub. Auch wichtig. Dennoch will man die Redaktion zu jener exzentrischen, den Begriff Wirklichkeit sehr großzügig definierenden Gruppe zählen, die gerne mit der Enterprise mitfliegen würde. (tos/DER STANDARD; Printausgabe, 7.2.2006)

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