Wiener Experte sieht "keine erhöhte Gefahr"

22. März 2006, 11:07
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Boku-Professor Glößl kritisiert die niedrigen Schwellenwerte für die Verunreinigung von herkömmlichen Saatgut mit genmanipuliertem

Wien - "Keine erhöhte Gefahr" durch den Anbau von gentechnisch veränderten Organismen (GVO) sieht der Wiener Experte Josef Glößl, Professor am Institut für Angewandte Genetik und Zellbiologie an der Universität für Bodenkultur. Der Gentechnikbefürworter kritisiert die niedrigen Schwellenwerte für die Verunreinigung von herkömmlichen Saatgut mit genmanipuliertem. Dies würde den Kontrollaufwand - so ein Anbau von gentechnisch veränderten Pflanzen erlaubt würde - in Österreich beträchtlich erhöhen.

Der höchstzulässige Verunreinigungsgrad liegt bei 0,0 Prozent, was den Anbau gentechnisch veränderter Sorten quasi unmöglich macht, da - abhängig von der Kulturart - große Abstände zu Feldern mit konventionellen Pflanzen nötig wären, sagte Glößl im Gespräch mit der APA. Würde man etwa dem Vorschlag der EU-Kommission folgen, die als Schwellenwert 0,9 Prozent vorgeschlagen hat, könnten beide Formen der Landwirtschaft nebeneinander existieren und so auch die Wahlfreiheit für die Landwirte ermöglicht werden, meint Glößl.

Keine negativen Einflüsse

Dass die gentechnisch veränderten Pflanzen negative Einflüsse auf die Umwelt haben, wies er zurück. Von einer Auswirkung auf die Natur könne man nur sprechen, wenn es natürliche Verwandte gebe, mit denen die ausgebrachten Sorten sich kreuzen können, was etwa bei Mais nicht der Fall ist: "In Europa gibt es keine wild lebenden Verwandten von Mais. Deshalb kann es zu keinen Auskreuzungen kommen", so Glößl.

Bei Raps hingegen könne dies der Fall sein, weshalb auch der Transport von GVO-Raps hier zu Lande kritisch beäugt wird, da eine Auskreuzung durch fliegende Samen etwa entlang von Bahnstrecken angeführt wird. Für eine fundierte Sicherheitsbewertung und eine Bewertung des möglichen Nutzens von GVO-Sorten tritt Glößl für eine sorgfältige Fall-zu-Fall-Beurteilung ein, die regional für verschiedene Kulturarten durchaus auch unterschiedlich ausfallen kann.

Mögliche Vorteile für konventionelle Landwirtschaft

Glößl verwies auf mögliche Vorteile von GVO in der konventionellen Landwirtschaft. Durch Resistenzen gegen Unkrautvernichtungsmittel könnten die Spritzmittel gezielter eingesetzt werden: Statt wie sonst üblich, die Unkräuter vor dem Austreiben der Pflanze "prophylaktisch" zu vertilgen, können die Mittel bei Saat mit gentechnisch eingebauten Resistenzen gegen die Gifte zu späteren Zeitpunkten nach Bedarf eingesetzt und damit der Gesamteinsatz der Herbizide verringert werden.

Auch bei den Bt-Mais-Sorten, die ein Eiweiß produzieren, dass den Maiszünsler-Befall stoppt, werden Zusatznutzen beobachtet, sagte der Wissenschafter. Durch die Eindämmung des Käfer-Befalls wird einerseits die Ertragssicherheit erhöht, darüber hinaus könne auch das Vorkommen von giftigen Pilzen im Mais verringert werden. Diese so genannten Fusarien bilden Mykotoxine, die bei langfristigem Verzehr gesundheitsschädigend sind. (APA)

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