Ein Tauchertraum könnte wahr werden: Atmen ohne Pressluftflaschen

14. Februar 2006, 17:30
56 Postings

Batteriebetriebene "Kiemen" arbeiten mit Hoch­geschwindigkeits- Zentrifuge - System extrahiert Atemluft aus dem Wasser

Tel Aviv - Der israelische Erfinder Alon Bodner hat ein Unterwasser-Atmungssystem entwickelt, das den Sauerstoff direkt aus dem Meerwasser extrahiert. Taucher sollen sich damit ohne Pressluftflasche ins Wasser wagen können. LikeAFish, wie das Gerät getauft wurde, ist eine batteriebetriebene künstliche Lunge, die sowohl Taucher, U-Boote als auch Unterwasser-Habitate mit Atemluft versorgen soll.

LikAFish arbeitet mit einer Hochgeschwindigkeits-Zentrifuge, um den Wasserdruck in einem kleinen dichten Tank stark zu reduzieren. Dadurch kann die im Wasser gelöste Luft in den gasförmigen Zustand übergehen. Der Vorgang ist vergleichbar mit dem Entweichen von Kohlensäure durch den Druckabfall beim Öffnen einer Limonadenflasche. Die auf diese Weise gewonnene Luft wird zu einem Tank geleitet, von dem aus der Taucher versorgt wird.

200 Liter Wasser pro Minute

Bodners System pumpt 200 Liter Wasser pro Minute durch den Extraktionskreislauf, um die Menge an Atemluft zu erreichen, die eine durchschnittliche Person verbraucht. Ein Liter Wasser enthält zwischen 1,5 bis 2,5 Prozent Luftanteil, 34 Prozent davon ist Sauerstoff. "Der Taucher ist nicht mehr von der Größe der Pressluftflasche abhängig, sondern von der Batterie, die LikeAFish mit Energie versorgt", sagte Bodner der BBC.

Batterie reicht für eine Stunde Tauchzeit

Eine Batterie mit dem Gewicht von einem Kilogramm reiche für eine Stunde Tauchzeit aus. Derzeit gibt es die Apparatur lediglich als Labormodell, jedoch ist die Ausstattung eines Unterwasser-Habitats in Australien mit dem alternativen Luftversorger schon in Vorbereitung. Bodner beabsichtigt das System noch zu verkleinern, um es in eine Taucherweste integrieren zu können. In zwei Jahren will er einen funktionsfähigen Prototypen präsentieren.

Skepsis

Mike Rowley, National Instructor vom britischen Sub-Aqua Club, gibt sich jedoch skeptisch: "Bodner geht davon aus, dass ein Taucher mit einem geschlossenen System nur einen Liter Luft pro Minute braucht. Dies ist aber kein absoluter Wert. Bei körperlicher Anstrengung, beispielsweise beim Anschwimmen gegen starke Strömung, steigt der Verbrauch auf 3,5 Liter an." Zudem sei zu bedenken, dass es so genannte tote Zonen in Gewässern gibt, wo die Luftsättigung des Wassers gering oder die Schadstoffkonzentration sehr hoch ist. "Das Gerät benötigt zumindest eine Art von Reserve, um erhöhten Verbrauch beziehungsweise die Versorgungslöcher zu überbrücken", so Rowley.

Bodner ist sich der noch zu lösenden Probleme bewusst. Er sieht die erste praktische Anwendungsmöglichkeit bei Habitaten unter Wasser. Diese könnte mit seiner Entwicklung von der Oberflächenversorgung mit Atemluft unabhängig gemacht werden, so der Erfinder. (pte)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Gelingt es Alon Bodner die verbleibenden Probleme an seiner Erfindung zu lösen, dann könnte das Tauchen mit "schwerem Gerät" bald der Vergangenheit angehören.

  • Artikelbild
    grafik: likeafish.biz
Share if you care.