Das Leid mit den Berichten

13. Februar 2006, 10:23
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Erstellung und Analyse von Geschäftsberichten bereitet oft Sorgen - Spezielle Analysetools sind dabei eine bedeutende Hilfe

Die Erstellung und Analyse von Geschäftsberichten bereitet oft Sorgen. Hilfe bietet hierbei das Internet. Mit Analysetools können Informationen gezielt gefiltert werden. Dafür muss der Bericht jedoch elektronisch verfügbar sein - ab 2007 ist das in Europa Pflicht.

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Einmal im Jahr trifft es jedes Unternehmen. Dann muss der Geschäftsbericht erstellt werden. Daten und Fakten werden oft in mühevoller Kleinarbeit zusammengetragen. Je nach Größe des Unternehmens kann die alljährliche Dokumentation zu einem dicken und aufwändigen Dokument ausufern. Der Geschäftsbericht ist auch ein notwendiger Bestandteil bei Kreditanträgen - Stichwort Basel II.

Während auf der eine Seite Finanzfachleute den Geschäftsbericht mühevoll zusammentragen, kämpfen sich auf der anderen Seite Bankangestellte durch uneinheitlich strukturierte Berichte.

Um den Aufwand für beide Seiten zu verringern und Firmendaten einfacher analysieren und vergleichen zu können, plädieren internationale Organisationen wie etwa das International Accounting Standards Board seit Jahren dafür, Geschäftsberichte in international gültiger, kompatibler und elektronischer Form zu verfassen.

Möglich macht dies etwa die Computersprache XBRL (Extensible Business Reporting Language) - ein Datenformat, das auf XML basiert.

In den USA ist XBRL für die Berichte von den über 8000 Banken an die US-Bankenaufsicht FDIC bereits Pflicht. In Japan wurde XBRL zum nationalen Standard erklärt. In Europa gelten Spanien und die Niederlande als Vorreiter. Bisher habe sich gezeigt, dass die Qualität der Berichte gestiegen und die Erstellungskosten gesunken seien.

Elektronischer Report

Ab 2007 ist es in Europa Pflicht, Geschäftsberichte in elektronischer Form bereitzustellen. "Dieser Umstand bereitet uns große Sorgen", sagt Michael Kip, Unternehmenssprecher vom Fraunhofer-Institut für Integrierte Publikations- und Informationssysteme, zum STANDARD. Denn bisher sei das Interesse sehr gering, und im Herbst sei daher mit einem Ansturm zu rechnen. Auf Wirtschaftsprüfer und Unternehmensberater könnte dann eine Flut an Fragen und Unterstützungshilfen zukommen, erwartet Kip.

Einheitliche und elektronische Geschäftsberichte sind jedoch erst die halbe Miete, denn: "Eine einheitliche Form reicht für eine schnelle Analyse der Dokumente nicht aus", erklärt Thomas Risse vom Fraunhofer-Institut.

Als Analyse-Werkzeug steht die Software Abra (Adaptive Business Reporting Automat) zur Verfügung. Damit können gezielt Informationen in den Berichten aufgespürt werden. Der Bericht kann auch in andere Daten-Formate wie pdf-oder Word-Dateien umgewandelt werden. Abra sei zwar nicht das einzige Tool auf diesem Gebiet, "aber das effizienteste", betont Risse. Eine Basisversion steht als Open Source im Netz; eine server-basierte Version wird auf der heurigen CeBIT vorgestellt. (Bettina Pfluger/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 06.02.2006)

  • Eine Software der Fraunhofer-Gesellschaft soll helfen, dass Geschäftsberichte nicht mehr das gewohnt mühsame, gefürchtete Unterfangen sind.
    foto: der standard/regine hendrich

    Eine Software der Fraunhofer-Gesellschaft soll helfen, dass Geschäftsberichte nicht mehr das gewohnt mühsame, gefürchtete Unterfangen sind.

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