"Wir wollen Hemmschwellen abbauen"

13. Februar 2006, 10:23
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Kurt Habitzel bringt Ideen der Uni Innsbruck in die Tiroler Klein- und Mittelbetriebe, was nicht immer einfach ist, wie er im STANDARD-Interview erklärt

Kurt Habitzel bringt mit dem Transferzentrum trans IT Ideen der Universität Innsbruck in die Tiroler Klein- und Mittelbetriebe. Die Rolle des Vermittlers zwischen Wissenschaft und Wirtschaft ist nicht immer ganz einfach, wie er Jutta Berger erzählte.

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STANDARD: Sie leiten das trans IT, das Entwicklungs- und Transfercenter der Universität Innsbruck. Davor haben Sie Literaturwissenschaft studiert. Wie kommt man da zur Informationstechnologie?
Habitzel: Zu Beginn des Internetbooms hat man in der Wissenschaft diskutiert, ob man sich mit diesem "vergänglichen Medium" überhaupt einlassen soll. Anders am Institut für Germanistik: Wir haben uns von Anfang an intensiv mit Informationstechnologie beschäftigt, haben Datenbanken - etwa die erste zum historischen Roman - eingerichtet. Es fehlte aber noch das professionelle Projektmanagement - das gehörte nicht zum traditionellen Wissen der Unis.

STANDARD: Warum brauchen Universitäten für den Kontakt zur Wirtschaft Mittler wie Technologie- und Transferzentren?
Habitzel: Die professionelle Betreuung von Wirtschaftskontakten war - und ist - an den Universitäten nicht üblich. Das Universitätsorganisationsgesetz 2002 definierte es zwar als Aufgabe der Unis, Wissen der Gesellschaft und damit der Wirtschaft zur Verfügung zu stellen, zur Umsetzung brauchen die Unis aber Hilfestellung.

STANDARD: Die Tiroler Wirtschaft besteht aus Klein- und Mittelbetrieben. Wie groß ist da die Bereitschaft zu Forschungskooperationen?
Habitzel: Mit den wenigen großen Unternehmen funktioniert die Kooperation traditionell sehr gut. Bei den kleinen wird es schwierig. Denn man weiß viel zu wenig über die Unis. Abgesehen von gewachsenen Kooperationen, beispielsweise zwischen ehemaligen Studienkollegen - der eine in einem Unternehmen tätig, der andere auf der Uni geblieben - gibt es Berührungsängste.

Bei unserer Arbeit geht es darum, Hemmschwellen abzubauen. Wir organisieren Informationsveranstaltungen, gehen in die Bezirke, machen Workshops, Vorträge. Die inhaltlichen Wünsche dazu kommen aus den Bezirken. Bis zur Realisierung von Kooperationen ist es ein langer Weg. Die Mühe lohnt sich aber für die Wissenschaft, weil wir erkennen, was die Wirtschaft braucht.

STANDARD: Welche Branchen sind denn dafür besonders offen ?
Habitzel: Wir konzentrieren uns weniger auf bestimmte Branchen, eher auf die Betriebsgröße - in erster Linie auf Unternehmen ab 50 Beschäftigten. Natürlich steuern wir zuerst unseren Schwerpunkt im IT-Bereich an. Die Unternehmen kommen ja oft neben dem Tagesgeschäft nicht dazu, sich Gedanken zu Innovationen oder Kooperationen zu machen. Wir suchen mit ihnen den Ausgleich zwischen den Prioritäten.

STANDARD: Welche Arbeit können Sie den Unternehmen konkret abnehmen?
Habitzel: Derzeit vor allem, den Weg zu uns zu finden. Durch aktives Bekanntmachen kommen wir ihnen entgegen. Das ist Knochenarbeit. Wir gehen zu den Unternehmen hin, stellen uns und die Unis vor. Dann unterstützen wir Uni und Unternehmen bei der Projektdefinition, beim Lukrieren von Förderungen. Wir sollen ja das Risiko einer Kooperation durch Förderungen abfedern.

STANDARD: Ihr Entwicklungs-und Transfercenter regt auch Projekte an. Konzentrieren Sie sich dabei auf bestimmte Disziplinen?
Habitzel: Der Schwerpunkt liegt auf IT im weiteren Sinne, reicht aber bis hin zur technischen Mathematik, Wirtschaftsinformatik, Chemie oder zum Holzbau. Wir versuchen Projekte anzustoßen - zurzeit laufen etwa zehn reine IT-Projekte, beispielsweise zu Logistik oder E-Tourismus.

STANDARD: Seit wenigen Wochen gibt es iTirol, eine neue Plattform von trans IT...
Habitzel: Wir bauen eine gemeinsame Drehscheibe auf. Nur ein Prozent der 1200 IT-Unternehmen Tirols haben mehr als zehn Mitarbeiter, diese Betriebe brauchen Community-Building. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 06.02.2006)

  • Kurt Habitzel will Industriebetriebe und Wissenschafter zusammenbringen.
    foto: der standard/trans it

    Kurt Habitzel will Industriebetriebe und Wissenschafter zusammenbringen.

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