"Wir hatten noch gar nicht angefangen zu leben" - KZs für Jugendliche

13. März 2006, 13:59
posten

Der Tragik der KZs für Jugendliche in Moringen und Uckermark ist erstmals eine Wanderausstellung gewidmet

"Spezielle KZs nur für Jugendliche? Das habe ich noch nie gehört!". Das ist eine häufige Aussage bei Jung und Alt. Und doch hat es diese Lager unter der Bezeichnung "Jugendschutzlager" gegeben. Noch vor wenigen Jahren gehörten sie zu den "vergessenen" nationalsozialistischen Terrorstätten.

Polizei und SS errichteten zwei solcher Lager in Moringen bei Göttingen (1940 - 1945) und in der Nähe von Fürstenberg beim Frauen-Konzentrationslager Ravensbrück in der Uckermark (1942 - 1945). Daneben bestand im polnischen Lodz noch ein drittes sogenanntes "Jugendschutzlager", in dem die SS polnische Kinder und Jugendliche inhaftierte.

"Antinazistische Einstellung"

Die Wanderausstellung "Wir hatten noch gar nicht angefangen zu leben" thematisiert die Geschichte der Lager Moringen und Uckermark sowie der jungen Häftlinge. Aufgrund politischer, religiöser, "rassischer" und - vor allem - sozialer Verfolgung wurden Mädchen in Uckermark und Buben in Moringen als sogenannte "Gemeinschaftsfremde" inhaftiert. Im Alter von 10 bis 25 Jahren waren nahezu 3.000 Kinder und Jugendliche aus ihren Lebenszusammenhängen gerissen und dem SS-Terror, der kriminalbiologischen Selektion und der Zwangsarbeit ausgesetzt. Sie kamen aus allen Teilen des "Reiches" und aus den von deutschen Truppen überfallenen Ländern. Fürsorgerinnen und ErzieherInnen, Polizei, Haus- und Blockwarte, NachbarInnen und Bekannte, Arbeitgeber und Lehrherren: Viele beobachteten, registrierten und denunzierten den Lebensstil, das "unbotmäßige" und auffällige Verhalten oder die "antinazistische Einstellung" der Buben und Mädchen. Vor allem Jugendämter und Erziehungsheime nutzten die Möglichkeit, missliebige Jugendliche aus der Heimerziehung auszusondern und in die Jugend-KZ zu überstellen.

In Moringen und im Lager Uckermark wurden die Jugendlichen unter erniedrigenden Bedingungen zusammengepfercht. Bei mangelhafter Verpflegung waren sie den unterschiedlichen Witterungsverhältnissen nahezu hilflos ausgeliefert. Peinigende Strafen und sadistische Quälereien gehörten zum täglichen Leben der Häftlinge. Viele überlebten diese Grausamkeiten nicht und die Überlebenden leiden bis heute unter erheblichen körperlichen und seelischen Schäden.

Konzipiert und realisiert wurde das Projekt von Martin Guse aus Liebenau, der die Geschichte der beiden Lager recherchiert hat. So entstand die Idee zur Ausstellung, welche die bis dato unbekannten Lebenswege und Schicksale der jugendlichen Häftlinge in den KZs Moringen und Uckermark thematisiert. Die Ausstellung ist für SchülerInnen ab 12 Jahren geeignet. Der Begleitkatalog ist um 6,50 Euro, für SchülerInnen und StudentInnen um 5 Euro zu erstehen.

Weitere Infos, auch zum umfangreichen Rahmenprogramm, erhalten Sie unter Milli Segal. (red)

14.02. – 05.03.2006
VHS Favoriten
Arthaberplatz 18
1100 Wien

15.03. – 07.04.2006
Urania
Uraniastraße 1
1020 Wien
Öffnungszeiten:
Mo. –Fr. 10.00 Uhr – 19.00 Uhr
(in der Urania auch während der Kinozeiten)
Eintritt frei!
Homepage Martin Guse
  • Die Kommandantur des Konzentrationslagers Moringen
    foto: landeskrankenhaus moringen
    Die Kommandantur des Konzentrationslagers Moringen
  • Reste des KZs Uckermark
    foto: martin guse
    Reste des KZs Uckermark
Share if you care.