"Musterkirche" für Kriminalitätsprävention

von Redaktion  |  06. Februar 2006, 17:56

Wie man Kunstdiebstahl am besten verhindert, soll in der Wallfahrtskirche von Karnabrunn demonstriert werden

Innenministerin Liese Prokop setzt weiterhin voll auf Videoüberwachung. Acht öffentliche Plätze in Österreich werden derzeit mit Kameras kontrolliert, zwanzig weitere sind geplant. Wie man Kunstdiebstahl am besten verhindert, soll in einer "Musterkirche" demonstriert werden.

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Wien/Korneuburg - In die Wallfahrtskirche von Karnabrunn im Bezirk Korneuburg bei Wien sollen schon bald nicht nur Verehrer der Heiligen Dreifaltigkeit sondern auch Sicherheitsexperten pilgern. Innenministerin Liese Prokop (VP) kündigte am Sonntag in der ORF-Pressestunde an, dass aus dem frühbarocken Gotteshaus eine "Musterkirche" der Kriminalitätsprävention werde.

Technische Überwachung auf den letzten Stand

Auf Nachfrage des STANDARD erklärte Ministeriumssprecher Hannes Rauch, dass die Kirche nicht nur eine vorbildliche Dokumentation aller Kunstwerke erstelle sondern auch bei der technischen Überwachung auf den letzten Stand gebracht werde.

Den Diebstahl der Saliera aus dem Kunsthistorischen Museum bezeichnete Prokop als "absolut kriminelle Handlung". Einer medialen Verklärung des mutmaßlichen Diebes Robert Mang (50), einem Alarmanlagentechniker aus Wien, zum "Gentlemantäter" könne sie nichts abgewinnen.

Trotz des Geständnisses werde derzeit noch Mangs Umfeld überprüft. Dabei habe die Polizei in Erfahrung gebracht, dass Mangs Bruder mit einem der Museumswächter bekannt sei, der zum Zeitpunkt des Diebstahls Dienst gehabt habe. "Es hat keinen Sinn, irgendwelche Vermutungen anzustellen, die Sache wird überprüft", so Prokop.

Alarm der Bewegungsmelder

Wie berichtet, hatten die Wächter einen Alarm der Bewegungsmelder ignoriert, weil es davor immer wieder Fehlalarme gegeben hatte. Zur Frage, ob die damaligen Sicherheitsmaßnahmen ausreichend gewesen seien, meinte die Ministerin ausweichend, dass sich der Stand der Technik laufend verbessere.

Überwachung von kriminellen Hot Spots

Die Polizei werde jedenfalls die Überwachung von kriminellen Hot Spots weiter vorantreiben, bekräftige die Innenministerin. Seit Samstag wird auch der Salzburger Hauptbahnhof mittels Videokameras beobachtet. Österreichweit sind derzeit auf öffentlichen Plätzen acht Videosysteme der Polizei installiert. Noch bis Donnerstag läuft eine Ausschreibung für insgesamt 20 weitere Anlagen.

Heftige Reaktionen zur Kriminalitätsstatistik

Heftige politische Reaktionen lösten Prokops Aussagen zur Kriminalitätsstatistik aus. Im Vergleich zu 2004 ist die Anzahl der Anzeigen im Vorjahr um sechs Prozent auf 605.272 gesunken. Für Prokop ist das eine "Trendwende", zuvor hatte die Anzahl jährlich massiv zugenommen (1999: 493.246 Anzeigen).

Folge des "zusammengekürzten Personalstands"

"In der gesamten Zweiten Republik war die Sicherheitslage noch nie so schlecht wie unter den VP-Innenministern", kritisierte Oberösterreichs SP-Chef Erich Haider. Dies sei eine Folge des "zusammengekürzten Personalstands" des Exekutive. Haider: "Schüssel, Grasser und Prokop lassen die Polizei mit ihrer Aufgabenflut einfach im Stich." FP-Generalsekretär Herbert Kickl konstatierte ein "Scheitern der Bekämpfung der explodierenden Kriminalität". Und die Grünen-Minderheitensprecherin Terezija Stoisits warf Prokop vor, "mit Schönrederei Probleme wegzureden". (simo, DER STANDARD Printausgabe 6.2.2006)

druckenweitersagen:
flo k. 
06.02.2006 12:30

mhm, ich hätte auch gerne das meine wohnung vom staat alle sicherheitssysteme bekommen die es gibt...

warum wird hier auf staatskosten eine kirche mit sicherheitsaustattungen ausgerüstet???

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