Massenpanik in Manila: Über 70 Tote und 400 Verletzte

6. Februar 2006, 17:57
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30.000 Menschen warteten auf Einlass zu populärer TV-Gewinn-Spielshow - zu viele für das Stadion - es gab keinen Notfallplan

Manila - 74 Tote und 400 Verletzte gab es bei der Massenpanik vor einem Stadion in der philippinischen Hauptstadt Manila. 30.000 Menschen warteten auf Einlass zu einer beliebten Fernseh-Spielshow. Viel mehr Zuseher, als das Stadion habe fassen können, erklärte der Staatssekretär im Innenministerium, Marius Corpus. Es gab keinen Notfallplan.

Die Leute fielen übereinander

Die Menge habe plötzlich panikartig Richtung Eingang gedrängt. "Die Leute fielen zu Boden, Nachkommende stolperten über die Menschen, die schon am Boden lagen. Die Menschen trampelten aufeinander, es war das totale Chaos", berichtete ein Polizeisprecher.

Auslöser

Über den Auslöser der Tragödie gibt es unterschiedliche Vermutungen. Jemand habe laut vor einer Bombe gewarnt, woraufhin es zu der Massenpanik gekommen sei. Nach anderen Angaben haben die Wartenden versucht, in das Stadion zu gelangen, als Sicherheitskräfte ein Eingangstor kurz zum Einlass öffneten und gleich wieder verschlossen.

Leichen im Chaos

Am Ort des Unglücks herrscht das Chaos, es liegen noch immer in der Panik zurückgelassene Taschen, Kleidungsstücke und Schuhe weit verstreut umher. Dazwischen liegen Leichen, die nur notdürftig abgedeckt wurden.

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Zahlreiche Überlebende stehen unter Schock. Viele der Opfer sind hunderte Kilometer angereist. Der Traum vom schnellen Spielshow-Glück ist für viele zur Tragödie geworden. Vor allem Menschen der ärmeren Schichten hatten auf einen der wertvollen Geld- oder Sachpreise gehofft. Bei der Sendung "Wowowee!" gibt es 16.000 Euro, ein Haus oder Autos zu gewinnen. "Wir hatten uns so sehr gefreut, hier dabei zu sein", berichtete eine Frau unter Tränen. Sie verlor bei der Massenpanik zwei ihrer Begleiterinnen.

Gewinnchance des Leben

"Die Leute haben auf Mahlzeiten verzichtet und Schlaf geopfert, nur um eine Chance auf einen Gewinn zu haben", sagte der Politologe Ben Lim. "Unser Volk ist in Armut versunken und verzweifelt." "Sie glaubte, dies ist die Chance, unser Leben etwas besser zu machen", erzählte ein 20-Jähriger schluchzend, als er neben dem Leichnam seiner Mutter sitzt. "Sie hat wirklich geglaubt, einen der Preise gewinnen zu können, und jetzt geschieht uns das."

Show verschoben

Der Fernsehsender ABS-CBN sagte nach dem Unglück die populäre TV-Gewinnspielshow ab. Sie soll zu einem späteren Zeitpunkt nachgeholt werden. "Wir sind entsetzt über dieser Tragödie", sagte ein Sprecher des Senders. "Einfach mit der Show fortzufahren, wäre gefühllos gewesen." Auch Moderator Willie Revillame zeigte sich tief bestürzt: "Wir wollten die Menschen glücklich machen und nicht, dass so etwas passiert."

Sonderkommission der Regierung

Eine Sonderkommission der Regierung hat Ermittlungen zur genauen Ursache des Unglücks aufgenommen. Die Untersuchungen sollen auf Weisung von Präsidentin Gloria Macapagal Arroyo binnen 72 Stunden abgeschlossen sein. (APA)

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    Viele der Opfer sind hunderte Kilometer angereist. Vor allem Menschen der ärmeren Schichten hatten auf einen der Preise gehofft.

  • Das Stadion war für den Zuseher-Ansturm viel zu klein
    foto: stringer/philippines

    Das Stadion war für den Zuseher-Ansturm viel zu klein

  • Die Menschen sind geschockt. Auf dem Platz vor dem Stadion liegen nach der Massenpanik noch Berge an verlorenen Gegenständen.

    Die Menschen sind geschockt. Auf dem Platz vor dem Stadion liegen nach der Massenpanik noch Berge an verlorenen Gegenständen.

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