Römisch-französische Riesen-Bankenehe

22. März 2006, 09:43
2 Postings

Nach den gescheiterten Angriffen aus Spanien und Italien greift jetzt die französische Großbank BNP Paribas nach der Banca Nazionale

Mit einem Barangebot von insgesamt neun Mrd. Euro will die französische Großbank BNP Paribas Italiens sechstgrößte Bank, die Banca Nazionale del Lavoro (BNL), übernehmen. Die Franzosen haben am Wochenende wissen lassen, pro BNL-Aktie 2,925 Euro zu bieten. Dies ist wesentlich mehr als die spanischen Bank BBVA. Die Spanier hatten vor knapp einem Jahr ein öffentliches Tauschangebot im Wert von damals 2,5 Euro pro BNL Aktie präsentiert. Der genossenschaftlich organisierte Versicherer Unipol aus Bologna besserte im Herbst sein Angebot für BNL auf 2,775 Euro pro Aktie nach. Beide Angebote scheiterten.

BNP Paribas hat bereits über den Kauf von 48 Prozent des BNL-Kapitals zu 4,3 Mrd. Euro mit Unipol und seinen Partnern eine Einigung erzielt. Im kommenden Juni steht ein öffentliches Gebot für die restlichen 52 Prozent an, sagte BNP-Chef Baudoin Prot.

Das französische Angebot gilt als "freundlich". Sowohl die Bankführung unter Präsident Luigi Abete wie auch die BNL-Großaktionäre haben sich positiv geäußert. Abete soll weiterhin der Chef der vor allem aufs das Unternehmensgeschäft konzentrierten BNL bleiben. Es sei kein Beschäftigungsabbau und Synergie von jährlich rund 400 Mill. Euro vorgesehen, beteuerte Prot vor den Medien.

BNP Paribas avanciert durch die Übernahme mit einer künftigen Kapitalisierung von 71 Mrd. Euro zu einem der wichtigsten Player in Europa. Die Franzosen übertreffen damit auch Unicredit, die nach der Übernahme der HVB-Gruppe eine Kapitalisierung von 60,6 Mrd. Euro hat.

Nachdem der spanische Übernahmeversuch am Widerstand des Ex-Zentralbankchef Antonio Fazio scheiterte, hatte BBVA - nach dem Rücktritt Fazios - eine neuerliche Offerte geplant gehabt. Die Spanier ließen sich damit aber Zeit. Fazio wollte grundsätzlich ausländische Bankübernahmen in Italien verhindern und favorisierte den Unipol-Konzern als Weißen Ritter. Aber Unipol wies eine mangelnde Eigenkapitalausstattung auf, außerdem geriet Expräsident Giovanni Consorte ins Visier der Staatsanwaltschaft - er steht im Verdacht, Kurse manipuliert und Firmengelder unterschlagen zu haben.

Zu den Gewinnern der Übernahme zählen nicht nur die Franzosen: Auch weitere BNL-Großaktionäre wie der Versicherer Generali mit knapp neun Prozent Anteilen und Luxus-Schuhhersteller Diego Della Valle (Tod's) mit fünf Prozent würden beim Verkauf kräftig mitschneiden. (Thesy Kness-Bastaroli, Mailand, DER STANDARD; Print-Ausgabe, 6.2.2006)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    BNL-Boss Luigi Abete soll nach der Übernahme im Management bleiben.

Share if you care.