Letzter Schliff für den Rohdiamant

4. März 2006, 19:52
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Andreas Kofler holte endlich seinen ersten Weltcupsieg - "Ein überwältigendes Gefühl"

Willingen - Andreas Kofler hat am Samstag gezeigt, warum er von Cheftrainer Alexander Pointner gerne als "Rohdiamant" bezeichnet wird. Der 21-jährige Tiroler war im vergangenen Dezember in Engelberg nach einer fast dreijährigen Durststrecke wieder auf das Weltcup-Podest zurückgekehrt und dann als Gesamt-8. bei der Vierschanzen-Tournee auch bester Österreicher. Nun stand er in Willingen erstmals ganz oben und durfte sich über seinen ersten Siegerscheck in Höhe von 23.250 Schweizer Franken (14.953 Euro) freuen.

Lohn für harte Arbeit

Der "Rohdiamant" ist am Samstag also erstmals so richtig geschliffen worden. "Das tät ich auch sagen. Es ist ein überwältigendes Gefühl, den ersten Weltcupsieg zu feiern", freute sich Kofler. "Es ist eine tolle Bestätigung, dass ich es drauf habe, und ein Lohn für die harte Arbeit. Ich habe auch Zeiten gehabt, in denen es mir dreckig gegangen ist", erinnert sich der Naturbursch aus Telfes.

Doch das ist Vergangenheit. Schon in Zakopane und davor in Lillehammer hatte er im Training und in der Qualifikation für Bestleistungen gesorgt, ein bisserl war er schon als Trainings-Weltmeister verschrien. Diesmal klappte es aber, im ersten Durchgang spielten endlich auch einmal die Bedingungen mit. "Da habe ich schon auch Glück gehabt, aber das gehört einfach dazu."

Absturz am Kulm schnell verdaut

Was für den Youngster spricht, ist auch, dass er einen verpatzten Flug im Teambewerb der Skiflug-WM auf dem Kulm, der dem ÖSV-Team wohl die Medaille gekostet hat, sehr schnell weggesteckt hat. "Damit habe ich schnell abgeschlossen, man kann das Rad sowieso nicht zurückdrehen", weiß Kofler.

Im Hinblick auf Olympia habe sich nicht wirklich etwas geändert. "Nein, alles ist unverändert. Ich freu mich schon volle auf Pragelato. Im Sommer ist es mir dort ganz gut gegangen, ich habe ganz gute Sprünge gezeigt. Aber ich war noch nie bei Olympia, bin das erste Mal dabei."

Seinen ersten Siegerscheck wird der sympathische "Kofi", der durchaus das Zeug zum neuen Publikumsliebling hat, nicht verjubeln. "Nein, der kommt aufs Sparbuch. Ende der Saison werde ich irgendwohin fliegen." Mit von der Partie wird vermutlich einer seiner besten Freunde sein, der mittlerweile zurückgetretene Florian Liegl.

Morgenstern mit feinen Sprüngen

Ganz im Sinne des guten Mannschaftsklimas trat der zweitplatzierte Thomas Morgenstern gerne ein wenig in den Schatten von Kofler. "Ich freu mich total für den Kofi. Der erste Weltcupsieg ist ein Traum, ich kann mich ja auch noch ganz gut dran erinnern. Ein zweiter Platz ist auch super. Im ersten Durchgang hat mir ein wenig das Glück gefehlt, dabei habe ich hier vielleicht meine besten Sprünge überhaupt gezeigt."

Für die gesamte Mannschaft könnte der Doppelsieg durchaus den nötigen letzten Ruck bedeuten. "Das war total wichtig für uns, dass wir so knapp vor Olympia zeigen konnten, dass wir medaillenverdächtig sind. Bis jetzt ist es uns nie aufgegangen", erklärte Morgenstern. (APA)

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    Freude über den ersten Sieg rausschreien.

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    Ein Sieger mit Fan-Potenzial.

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