Inflation antiarabischer Webseiten in Frankreich

12. Februar 2006, 15:21
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Laut Anti-Rassismus- Organisation Mrap hat sich Islam-Hass seit Vorstadtkrawallen im Internet verbreitet

Seit den Vorstadtkrawallen im November 2005 in Frankreich haben die anti-arabischen und Islam-feindlichen Aussagen im Internet stark zugenommen. Zu diesem Schluss kommt die Anti-Rassismus-Organisation "Mouvement contre le Racisme et pour l'amitie entre les peuples" (Mrap). "Die Tatsache, dass Innenminister Nicolas Sarkozy das Wort Gesindel verwendet und (der Rechtsaußen Philippe de) Villiers von einer moslemischen Invasion spricht, hat den Extremisten im Internet ein Jugendbad gegeben", erklärte Mrap-Präsidnet Mouloud Aounit und fügte hinzu: "Seither wohnt man einer Explosion der rassistischen anti-arabischen und anti-moslemischen Aussagen bei."

Unterschwellig

Nach den Angaben verwenden die offiziellen Webseiten rassistische und araberfeindliche Aussagen nur untergründig, um strafrechtlichen Sanktionen zu entgegen, zumal die Anstiftung zum Rassenhass in Frankreich gesetzlich geächtet ist. Dagegen entwickelten sich die jeder Kontrolle entgleitenden Web-Chats zu wahren "Hinterkammern des Hasses", so Aounit.

Bereits im Jahr 2001 war im französischen Web in Anlehnung an die Menschenrechtsorganisation "SOS Racisme" die Internet-Seite "SOS Racaille" ("SOS Gesindel") entstanden. Diese Adresse wurde durch einen rechtlichen Einschritt 2003 zerschlagen, lebte allerdings nachdem Angaben in Form zahlreicher Nebulösen fort. So wird der Internet-Surfer etwa an Adressen wie granika.org weiter geleitet, das "der Freiheit der Franzosen und Europäer" gewidmet ist, die ihre "kulturelle, soziale, spirituelle und ethnische Integrität bewahren" wollen.

Hetze

Die drei hauptsächlichen Nachfolger von "SOS Racaille" sind nach Ansicht der Antirassimsus-Experten die Bewegungen "France-Echos", "SOS France" und "Occidentalis". Die drei Organisationen stellen die Araber, die Schwarzen und die Moslems im Web-Fenster als "Fremdkörper" in der französischen Gesellschaft dar. Der Leiter von "Occidentalis", Denis Greslin, ist einer der wenigen, die mit ihrem wirklichen Namen auftreten. Greslin war bereits Kandidat der rechtsextremen französischen Parteien "Front National" (FN) von Jean-Marie Le Pen und "Mouvement National Repuclicain" (MNR) von Bruno Megret.

Manipulativ

"Occidentalis" empfängt den Internet-Surfer mit bedrohlichen Titel wie "die Scharia wird dem Land aufgebürdet" oder "die Angst muss ins andere Feld wechseln". Die Moslems werden als "Anbeter des Pädophilen" und die Vorstadtkrawalle als "ethnischer Krieg" bezeichnet. In "SOS France" wird das "Frankarabien" mit Beschimpfungen und Beleidigungen für die Araber beschrieben. Die Webseite verfügt über ein Forum mit dem Titel "seulement blanc" ("nur weiß"). Die Vorstadtrandalierer wurden als "Terroristen" bezeichnet, die "ein Massaker der Gallier" planten. (APA)

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    Logo einer der rassistischen Webseiten

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