Musik-Tipp: Trompeter Lorenz Raab im Birdland

5. Februar 2006, 21:48
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Ein Jazz-Talent mit multipler musikalischer Persönlichkeit

Viele Herzen schlagen, ach, in seiner Brust. Lorenz Raab heißt der Name des Trompeters, der sich in den letzten Jahren sukzessive zu einer unüberhörbaren Stimme der österreichischen Jazzszene emporgespielt hat. Am Anfang, da vernahm man die herrlich reduzierten, kammermusikalischen Stimmungsbilder des Trios "Bleu" (mit Rainer Deixler und Ali Angerer); unter dem Namen "Lubric Flow" huldigte er der Jazztradition.

Und dieselben, stets um "denkende" melodische Schlüssigkeit bemühten, bei aller Virtuosität auch reife Souveränität ausstrahlenden Trompetenlinien veredeln auch den Elektronik-infizierten Groove-Jazz der von Gitarrist Johannes Specht inaugurierten Formation "Forms of Plasticity". - "Ja, das bin alles ich". Lorenz Raab hat es gelernt, zu seiner multiplen musikalischen Persönlichkeit zu stehen. Identitätsprobleme oder musikalische Schizophrenieanfälle kennt der Musiker nicht.

Brotberuf Solo-Trompeter

Sollte er auch nicht, denn die Aufzählung ist beileibe nicht vollständig. Im Brotberuf sitzt Raab seit dem Jahr 2003 als Solotrompeter im Orchester der Wiener Volksoper, ein Job mit Höhen (etwa Nicholas Maws Oper "Sophie's Choice") und Tiefen ("Sound of Music"), der dem in Wien, Salzburg und Bremen klassisch ausgebildeten Trompeter aber auf jeden Fall Unabhängigkeit im Jazzbereich garantiert. In jenem Feld, in dem der erst dreißigjährige Oberösterreicher in den letzten Jahren vom hoffnungsvollen Talent zum Shootingstar avanciert ist.

2004 mit dem Hans-Koller-Preis als "Newcomer des Jahres" ausgezeichnet, sah sich im selben Jahr die erste Formation gegründet, die tatsächlich Lorenz Raabs Namen trug: "XY Band" lautet der nicht uncharmante Verlegenheitsname für das mit zwei Bässen (Oliver Steger, Matthias Pichler), einer (von Christof Dienz) höchst eigentümlich traktierten E-Zither und Schlagzeug (Herbert Pirker) viel versprechend unorthodox besetzte Quintett, dessen Musik in spannender Weise zwischen handgemachten Breakbeat-Elementen und frei improvisierter Kammermusikalität changiert. Das brandneue und also nunmehr live zu präsentierende CD-Werk nennt sich "Blue Silk" (Universal) und ist natürlich jede Empfehlung wert. (felb, DER STANDARD-Printausgabe 04./05.02.2006)

5. 2.,
Birdland,
3., Landstraßer Hauptstraße 2,
Tel. 0664/849 31 44,
Beginn: 20.00

Link:

Birdland

  • Eines der im Kommen begriffenen Jazz-Talente ist der aus Öberösterreich gebürtige Lorenz Raab (30).
    foto: hendrich

    Eines der im Kommen begriffenen Jazz-Talente ist der aus Öberösterreich gebürtige Lorenz Raab (30).

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