Blau-Orange-Schwarze Chronologie: Sechs Jahre Kommen und Gehen

8. Februar 2006, 14:53
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Zum schwarz-blau-orangen Geburtstag: Die vorzeitig abgegangenen Protagonisten vor den Vorhang, bitte

Wien - Kalendertechnisch funktioniert der SP-Apparat noch wie in den besten Zeiten. Hätte Parteichef Alfred Gusenbauer nicht daran erinnert, man hätte das Datum glatt übersehen können: Am vierten Feber vor sechs Jahren begann in Österreich eine neue politische Zeitrechnung, die mit den Kabinettsbezeichnungen "Schüssel I und II" sowie der Farbkombination schwarz-blau-orange erkennungsdienlich markiert werden kann.

Während die SPÖ auf den "letzten Jahrestag" dieser Regierung hofft und mutmaßt, diese hätte das historische Datum gern im Orkus des Vergessens versenkt, weil es außer der höchsten Arbeitslosenrate der Zweiten Republik wenig zu bedenken gebe, erlaubt sich DER STANDARD, die vorzeitig abgegangenen Protagonisten dieser Ära vor den Vorhang zu holen.

Jaguarfahrer und Hasenjäger

Unvergessen etwa bleibt der bekennende Jaguarfahrer und Hasenjäger Michael Krüger (Amtszeit 25 Tage), dessen überschwängliche Art dem strengen Justizressort eine völlig neue Aura vermittelte. Oder die blaue Schlossherrin aus Kärnten, Elisabeth Sickl (8 Monate, 18 Tage), die dem Sozialministerium das Odium nahm, ihm dürften nur Minister vorstehen, die vom Lebensleid sozial wenig privilegierter Menschen eine Ahnung hätten. Von Infrastrukturminister Michael Schmid (9 Monate) blieb der politpsychologisch höchst aufschlussreiche Satz "Die Batterien sind leer" in Erinnerung.

Er wurde zum Ahnherren einer stolzen Reihe an blauen Forschungsministern, die die Firma Duracell nicht sponsern dürfte: Monika Forstinger (1 Jahr, 2 Monate, 14 Tage), die mit ihrem Minirock-Erlass mehr Furore machte als mit Forschungspolitik, Mathias Reichhold (1 Jahr, 1 Monat, 10 Tage), der angab, sich auch mit zwei "t" zu schreiben, wenn es Jörg Haider nur will, und Hubert Gorbach (bis dato immerhin 4 Jahre, 1 Monat, 24 Tage).Vizekanzlerin Susanne Riess-Passer (2 Jahre, 7 Monate, 6 Tage) lehrte uns, wie schnell man mit ein bisschen Anti-Haider-Haltung als Paradeliberale dastehen kann - und dass ihr feine Lederwaren nicht nur wegen ihres Nom de Guerre "Königskobra" wichtig waren.

"Heiliger Ernst der Herrengasse"

Innenminister Ernst Strasser (4 Jahre, 10 Monate, 7 Tage) bewies, dass auch mal ein Schwarzer die Nerven wegschmeißt - obwohl er von seinen Mitarbeitern ob seines Langmut ausstrahlenden Führungsstils zum "Heiligen Ernst der Herrengasse" erhoben worden war. Der Vollständigkeit halber seien noch erwähnt: Justizminister Dieter Böhmdorfer (4 Jahre, 3 Monate, 25 Tage), der die Idee Haiders, Regierungskritiker zu verfolgen, erst einmal als "verfolgenswert" erachtete, bevor er diese Aussage relativierte; Gesundheitsstaatssekretär Reinhart Waneck (4 Jahre, 4 Monate, 21 Tage), Sozialminister Herbert Haupt (4 Jahre, 3 Monate, 1 Tag) und Außenministerin Benita Ferrero-Waldner (4 Jahre, 8 Monate, 16 Tage).

Es waren, wie ÖVP-Generalsekretär Reinhold Lopatka zum Geburtstag so schön sagt, eben "sechs höchst erfolgreiche Jahre". (DER STANDARD, Printausgabe 4./5.2.2006)

Von Samo Kobenter und Barbara Tóth
  • Die blaue Schlossherrin aus Kärnten: Elisabeth Sickl beim Golfen.
    foto: fischer

    Die blaue Schlossherrin aus Kärnten: Elisabeth Sickl beim Golfen.

  • Susanne Riess-Passer und Mat-t-hias Reichhold mit Bundeskanzler Wolfgang Schüssel.
    foto: cremer

    Susanne Riess-Passer und Mat-t-hias Reichhold mit Bundeskanzler Wolfgang Schüssel.

  • Ernst Strasser warf nach vier Jahren, zehn Monaten und sieben Tagen die Nerven weg.
    foto: cremer

    Ernst Strasser warf nach vier Jahren, zehn Monaten und sieben Tagen die Nerven weg.

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