
Einzig der Chefredakteur der "Presse" absolvierte seine Pflichtübung für Seipel nach dem Motto: Wenn die Regierung in der Bredouille ist, immer brav die Opposition für dumm erklären! Man mag den barocken Lebens- und Führungsstil des Museumschefs für nicht zeitgemäß halten, man mag der Meinung sein, dass er eigentlich sofort nach dem Saliera-Raub hätte zurücktreten sollen (gut möglich, dass er das inzwischen auch selber so sieht), man mag für unklug halten, dass er sich so weit in parteipolitische Gefilde vorgewagt hat und sich hinterher darüber beklagt, dass er politisch verfolgt wird. Alles geschenkt, da ist Fleischhacker großzügig. Dass aber das KHM unter Seipel insgesamt eine höchst erfreuliche Entwicklung genommen hat, kann nur jemand bezweifeln, der einigermaßen ahnungslos ist. Leider lässt der "Presse"-Chef niemanden an seinen insgesamten Einsichten teilhaben.
Was Seipel in dieser Auseinandersetzung vor allem fehlt, ist erotische Ausstrahlung. Das sollte man bei der künftigen Besetzung von Museumsdirektoren berücksichtigen. Mandelbraune Augen, ein verschmitztes Lächeln - das Covermodel hat, eher unfreiwillig, willige Singledamen in helle Aufregung versetzt. "NEWS" überschlägt sich in erotischer Raserei, der Anwalt hat gute Arbeit geleistet. "Er ist der Typ Gentleman-Lover, gehört der A-Schicht an - und noch dazu hat er den Staat genarrt", darf ein Freund Mangs psalmodieren. Kookie ist einfach ein Lächler und Optimist. Dass dem Womanizer das Lachen demnächst vergehen könnte, soll in dieser Phase ausgeblendet bleiben.
Nur unbeschwerte Heiterkeit soll regieren. Die Zellengenossen von Österreichs derzeit wohl prominentestem Untersuchungshäftling platzen wohl tagtäglich vor Neid, wenn der Saliera-Dieb seine Post bekommt. Dutzende Briefe schmachtender Frauen sind allein in der vergangenen Woche in der Haftanstalt eingetrudelt. Eine Leserin der Wiener U-Bahn-Zeitung "Heute" entblößte sich sogar am Titelblatt für den "coolen und feschen Mann". Innerhalb kürzester Zeit avancierte Robert Mang zum neuen Sexsymbol des Landes. Das wird Wilfried Seipel wohl nicht mehr schaffen.
In der "Krone" führte Conny Bischofberger persönlich ein Interview, von dem es am Ende des Textes heißt: Dieses Interview wurde nicht persönlich geführt. Die Fragen (und Nachfragen) der "Krone" stellte Rechtsanwalt Dr. Gerald Albrecht seinem Mandanten in U-Haft. Der Titel des Interviews umging die Schuldfrage delikat: Held oder Verbrecher? Wobei Mang sein Verbrechen als Schnapsidee ebenso verharmloste wie den Helden in sich: Das war eine bequeme Hendlstiege mit Geländer! Da hätten Sie auch raufspazieren können.
Er weiß sich Seipel nicht nur erotisch, sondern auch moralisch überlegen. Ich hab wirklich gut auf die "Saliera" aufgepasst, mir war die Rückgabe jedenfalls wichtiger als dem Herrn Seipel. Was Elisabeth Gehrer die kleine Überlegung wert sein sollte, ob man Seipel nicht doch loswerden und Mang an seine Stelle setzen könnte - unter dem Beifall von Heeren schmachtender Frauen, die ja auch Wählerinnen sind. Man wird sie brauchen.
Wenn es ans Schmachten geht, ist keine so qualifiziert wie Margit Swoboda, und sie hält für Seipel die wohl bitterste Pille bereit. Selbst wenn einem die Saliera gestohlen bleiben könnte und wenn einem der kuriose Krimi um das alte Salzfass sehr egal ist: Herr Direktor Wilfried Seipel vom Kunsthistorischen Museum ist mir ab sofort überhaupt nicht mehr wurscht. Grund der Unwurschtigkeit: Wie Herr Seipel mit den Menschen umspringen lässt, die "seine" Schätze hüten sollen.
Und was Frau Swoboda gesehen hat, sollte auch Gehrer endlich die Augen öffnen. Herrn Seipel habe ich ein einziges Mal in meinem Leben leibhaftig gesehen. En passant, auf der Mariahilfer Straße, wie er sich listig umschaute, ob ihn jemand beobachtet und erkennt. Dann hat er, vermeintlich inkognito, seinen Tschick weggeworfen, einer Frau mit Kinderwagen knapp vor die Füße. Ein unangenehmer Zeitgenosse, dachte ich. Falsch?
Das soll die verantwortliche Ministerin entscheiden. Wir können nur sagen: Wer sich auf der Mariahilfer Straße listig umschaut und dann, vermeintlich inkognito einer Frau mit Kinderwagen seinen Tschick vor die Füße wirft, bleibt vielleicht Museumsdirektor, aber er wird niemals zur Kultfigur. Und schon gar nicht zum Womanizer. (DER STANDARD; Printausgabe, 3./4.2.2006)
"Viel Wissen macht Kopfweh", wurde drei Millionen Österreichern zum Jahreswechsel wieder einmal die Blattlinie der "Kronen Zeitung" eingehämmert
Zwei Belegstellen zur Lage in Österreich aus "Österreich" vom Wochenende
Österreich ist das asthmatische Mittel zwischen Wiener Opernball und Villacher Fasching
Von Bischöfen ist man manches gewöhnt. So beging Eminenz Tadeusz Pieronek den weltweiten Holocaust-Gedenktag mit dem Sager: "Der Holocaust ist als solcher eine jüdische Erfindung."
Aus einer wirklich dramatischen Situation (schlecht gesicherte Museen, Erpresser), versucht man mit Schmäh, Augen zu und durch, alle Beteiligten im Weichspüler behandlen, so dass sich am Ende nichts und niemand änderen muss. Ein Land in dem Museumsdirektoren sich als Fürsten aufführen, Ministerinnen sich als Königinnen fühlen, Beamte Hofräte sind und jeder Bürger ein bisserl Promi spielt, lässt es sich zwar gut und komfortabel leben, aber halt nur bis zu dem Tag, bis zu dem die Abschottung und Seilschaften halten.
Vielgerühmtes, vielgeliebtes Österreich...bist als Land ein Zwerg,...
..nachdem ich in der Frankfurter Rundschau einen Kommentar über diese peinliche Posse österreichischer Kultur lesen durfte, gestehe ich : "Ich schäme mich für dieses Land". Wo sind die kritischen Journalisten, die sofort einen Undercover-Check der Museen durchfüheren, wie bei ZDF Reporter. Oder vergaß ich die mangelnde Intelligenz der "Journaillie" hierzulande?
In Österreich gibt es so etwas wie Selbst-Zensur, sozusagen vorauseilender Gehorsam.
Sonst heisst es zittern wenn das nächste Mal die Pressefördermittel verteilt werden.
Erwarten Sie also bitte nicht in Österreich echten, kritischen Journalismus in Bezug auf Themen die wirklich Substanz haben! ;-/
In Österreich wird immer an der Nebenfront ausgiebig gekämpft. Man braucht nur zu schauen wo ein Bundeskanzler redet (zB Tempo 160) und wo er schweigt (Gorbach verkauft Unternehmen das ihn demnächst einstellt). Analog verlaufen die Diskussionen in den Medien.
Aber Ihnen als Medienprofi erzähle ich da nichts Neues! ;-)
Naja: *gg* - Das was den MANG ROBERT vom Speibl-Seipel und der Kehrer-GEHRER grundsätzlich unterscheidet ist seine EHRLICHKEIT. Tatsache ist, dass der Herr Mang, abgesehen davon, dass er die SALLY (alleine dieses Wort ist schon so grund grauslich), dass er also die Sally geklaut hat, immer GRUNDEHRLICH war. Ja, er steht sogar zu seinem "Fehler", die Saliera geklaut zu haben, er steht sogar so sehr dazu, dass er dafür vielleicht ins Häfen geht bzw. jetzt Sitz. Tatsache ist aber auch, dass die Gehrer und der Speibl im Lügen, wenn sie den Mund aufmachen. - Deswegen mögen die Leute den Mang Robert mehr, als die Gehrer-Seipel-Bande.
Im Moment wird über eine eventuelle Mittäterschaft ermittelt. Bei der Person gegen die ermittelt wird handelt es sich um einen alten Freund, der im Sicherheitsbereich des KHMs arbeitet und dessen Naheverhältnis zu ihm Mang tunlichst bei seinen Verhören verschwiegen hat.
Mang ist ein ganz normaler Verbrecher der halt einfach probiert hat das schnelle Geld zu machen.
Übrigens, Jack Unterweger war auch vielen sympathisch... *g*
Wenn Sie der Ansicht sind, dass Herr Mang, abgesehen von seiner "b'soffenen G'schicht" GRUNDEHRLICH ist, dann lesen Sie sich vielleicht noch einmal die Geschichte durch (Stichwörter: Erpressungsschreiben, Schnitzeljagd, Verhalten nach Veröffentlichung des Verdächtigen-Bildes, erste Verhöre, ...).
Auch die Gebarung des Herrn Mang in der Öffentlichkeit nach seiner Verhaftung (Stichwort: Coverboy, Gentleman-Lover, Edelganove, Kronenzeitungs-Gespräch, ...) mutet eigenartig an.
Dass gewisse Minister oder Direktoren wesentlich "sympatischer" sind möchte ich aber damit nicht behauptet haben.
Ist der ruf einmal ruiniert, lebt sich's gänzlich ungeniert. - Unter diesem Motto leben Gehrer und Seipel ja im Auftrag der Bundesregierung "Corporate Behaviour" GEGEN den Willen der meinsten ÖsterreicherInnen, ABER bei Bezügen von sicherliche weit über € 5000,-- (14 x im Jahr, plus Spesen, plus Korruption) in Saus und Braus. - Und! Nie wird da einer noch zurück, weil das das Image vom Schüssel im Wahljahr 2006 vollkommen ruinieren würde. Folglich können die bis zu den Wahlen und vielmehr noch danach, machen, was sie wollen und das ist das grauenhafte an allem.
Mit meinem Beitrag wollte ich nicht Minister oder Direktoren verteidigen. Das ist ein anderes Thema (glauben Sie mir, auch mich reut's oft um die Steuern...)
Einen Verbrecher aber der drei Jahre die Polizei in Atem hält und ... (der Rest wird als bekannt vorausgesetzt) dann auf sunny-boy macht als GRUNDEHRLICH zu bezeichnen scheint mir dreist.
Man wird sehen, was der Prozess bzw. die Erhebungen noch (weitere Details, Mittäter, ... ?) hervorbringen.
Interessant fände ich zu erfahren wie Sie zu der Überzeugung kommen, dass Mang "heute wirklich grundehrlich" sei. Natürlich, es kann sein, wissen kann man es aber nicht und ausgehen würde ich auch nicht davon...
... zu der gehrer-seipel-bande ist er heute wirklich grundehrlich, weil, selbst wenn er das alles "verbrochen" hat, was ihm zur last gelegt wird, hat er nie und nimmer in seinem leben dermaßen viel gelogen, wie einer der beiden von der gehrer-seipel-bande alleine in einer woche und nur zu diesem einen thema lügt - um den jeweils schleimigen kopf aus der schlinge zu ziehen und uns den nächsten schwachsinn zu präsentieren. als steuerzahler fühle ich mich um mein geld betrogen! - konsequent & wissentlich und der schaden von geher und seipel übersteigt jenen, den der mang angerichtet weit aus mehr. - da können wir uns ganz sicher sein.
hat er gestohlen, erpresst usw. - aber er steht JETZT wenigsten dazu, ist sich seiner schuld bewußt und sieht seiner straft entgegen. - letztlich ist auch mir bewußt, dass dies auch alles nur eine darstellung sein kann. ABER: die gehrer-seipel-bande lügt und bestielt uns viel dreister, viel frecher, viel offensichtlicher und ist sich a) bis heute KEINER schuld bewußt und b) schon gar nicht daran interessiert die konsequenz aus ihrem minderwertigen und grauslichem verhalten zu ziehen, ja, dieses überhaupt einmal einzugestehen. - deswegen ist der herr mang "in der öffentlichkeit" beliebter.
ich glaube auch nicht, dass mang "grundehrlich" ist und auch ich denke darüber nach, dass hier manches strategie sein könnte. - andererseits: ist er schon sehr kongruent in seinen aussagen und seine "medienarbeit" - wenn man so will. sehr. - aber wir werden sehen. ich für meinen teil, glaube ihm, weil es nur hochintelligent ist nun mit 100 % kooperation aufzutreten um das strafmaß niedrig zu bekommen, sofern dies bei dieser medialen wirkung überhaupt noch möglich ist. - WAS ICH ABER MEINE: volkswirtschaftlich sind die verbrechen am staate österreich der Gehrer-Seipel-Bande wesentlich dramatischer. - da ist "ein tag stehlen" und "zwei tage lügen" und am "dritten tag die wahrheit sagen" eine lausbubenstreich ...
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