Paul Maar: "Der tätowierte Hund"

3. Februar 2006, 15:45
posten

Ist Lachen erlernbar? Putzmuntere Streiche, Schabernack und Situationskomik - Maar zieht alle Register

Ist Lachen erlernbar? Diese fundamentale Frage lässt sich leicht beantworten, wenn wir einen Dauerläufer des Kinderbuchmarktes erneut zur Hand nehmen: Paul Maars Erstling "Der tätowierte Hund" kam 1968 heraus und wurde sogleich 1969 für den Deutschen Jugendbuchpreis nominiert.

In "Der tätowierte Hund" trifft ein etwas tumber Löwe auf einen hungrigen, schlagfertig-ironischen Hund, dessen nackte Haut über und über mit rätselhaften Motiven bedeckt ist. Durch die Neugierde des Königs der Tiere erwachen die einzelnen Figuren in den Erzählungen des Hundes zu absurder, ungemein witziger Existenz. Auch der reichlich kurzsichtige Löwe darf das eine und andere der acht Kabinettstückchen beisteuern, die Maar durch lockere Rahmenhandlungen zusammenhält.

Seit E. T. A. Hoffmann, Wilhelm Hauff und Johann Peter Hebel genießt die variable Rahmenerzählung in unserer Literaturgeschichte einen hohen Stellenwert. Die wechselnden Perspektiven, das Dialogische und die einander ablösenden Erzählhaltungen verlangen von den Schreibenden Wendigkeit und Flexi- bilität. Paul Maar befindet sich also in bester Gesellschaft!

Zurück zur Eingangsfrage: Auch der junge Leser von heute kann sich immer noch nach all der Zeit wieder scheckig lachen, wenn der Hund nach einem leckeren Leberwurstbrot in der Aktentasche des Löwen giert oder ein gerade dem Wasser entstiegener nasser Frosch sich den Badeanzug auswringt. Nur platte, rasch verpuffende Tierwitzlein?

Maar hat mehr auf dem Register, er kann absurde Dialoge einfädeln, scheinbar mühelos sprachspielerischen Jux und deutschen Nonsens inszenieren. Putzmuntere Streiche, Schabernack und Situationskomik verlangen nach einer eigenständigen Dramaturgie.

Viele Kinder verstehen und beherrschen sie und reagieren entsprechend richtig auf die Angebote des Autors. Die anderen sind leicht durch Vorlesen, Selbstlesen und Darüber-Reden und Diskutieren zu gewinnen. Wie anders wollen wir uns sonst die hohen Verkaufsauflagen erklären? Lachen ist lehr- und erlernbar! Maar hat viele seiner Texte selbst illustriert, so auch diesen Band mit 34 Federzeichnungen. Sie stützen und verstärken den Text, der über 124 Seiten ausgebreitet ist. Wer noch nicht lesen kann, will als Kind bestimmt allein über die Betrachtung der lustigen und erheiternden Bilder erfahren, welcher Text dazu passt. (DER STANDARD, Printausgabe, 28./29.1.2006)

Von Horst Künnemann
  • Artikelbild
    foto: süddeutsche junge bibliothek
Share if you care.