Österreichs Banken bauen Präsenz in Osteuropa massiv aus

22. März 2006, 09:43
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Heimische Institute wie die Erste Bank, Raiffeisen und BA-CA spielen im Osten in der Oberliga mit

Wien - Mit dem Erwerb der russischen Impexbank durch die Raiffeisen International Bank-Holding (RI) am vergangenen Mittwoch für rund 450 Mio. Euro und dem Milliarden-Deal der Erste Bank in Rumänien, die vor kurzem die Großbank BCR (Banca Comerciala Romana) um 3,75 Mrd. Euro übernommen hat, haben die österreichischen Banken ihre Präsenz in den Ländern Mittel- und Osteuropas allein in den vergangenen Wochen massiv ausgebaut.

Bereits im vergangenen Herbst hatte Raiffeisen mit dem Kauf der ukrainischen Bank Aval einen weiteren großen Coup gelandet.

Weitere wichtige Player

Weitere wichtige österreichische Player in Osteuropa sind die Bank Austria Creditanstalt (BA-CA) - die inzwischen zur italienischen UniCredit-Gruppe gehört - sowie die Österreichische Volksbanken (ÖVAG)-Gruppe und die Kärntner Hypo Alpe-Adria-Bank (HAAB). Die ÖVAG betreibt acht Osteuropa-Töchter. Darüber hinaus betreibt sie über die Tochter Kommunalkredit mit der französischen Dexia eine gemeinsame Osteuropabank.

Auch die Gewerkschaftsbank BAWAG P.S.K. ist mit Töchtern in Tschechien, der Slowakei, Slowenien sowie einer 10-Prozent-Beteiligung an der ungarischen Außenhandelsbank MKB in den östlichen Nachbarländern vertreten.

BA-CA-Einflussbereich im Osten unklar

Wie der Einflussbereich der BA-CA im Osten künftig aussehen wird, ist derzeit noch sehr verworren - Klarheit über die künftige Struktur der Bank innerhalb des UniCredit-Konzerns will BA-CA-Chef Erich Hampel bis Mitte März haben. In sechs Ländern Osteuropas sollen noch heuer die Tochterbanken von BA-CA und UniCredit fusioniert werden: In Polen, der Slowakei, Bulgarien, Tschechien, Rumänien und Bosnien.

Die künftige Zuständigkeit für die Osttöchter ist derzeit noch Gegenstand heftiger Debatten. Hatte zunächst noch geheißen, dass die BA-CA durch die Übernahme von den Osttöchtern der UniCredit wachsen und auch für sie neue Märkte (Russland, Ukraine, Baltikum, Türkei) dazu bekommen sollte, geht man in Polen derzeit davon aus, dass das Polen-Geschäft statt von Wien künftig von Mailand aus gesteuert wird. Die Zuständigkeit für die Ukraine und Russland könnte künftig in Warschau liegen.

Polen weiter Streitfall

In Polen zeichnet sich zudem auch keine Annäherung zwischen der Regierung in Warschau und der UniCredit im Streit um die geplante Fusion der UniCredit-Tochter Pekao mit der zur BA-CA gehörenden BPH ab. Die polnische Regierung verweigert ihre Zustimmung zu der Fusion, obwohl diese von der EU-Kommission bereits genehmigt wurde.

Die polnische Seite untermauert ihre Position mit dem Verweis auf den Privatisierungsvertrag, durch den die UniCredit 1999 die Pekao erworben hat und in dem sich die Italiener verpflichteten, keine weiteren Beteiligungen an polnischen Banken zu erwerben. Diese Vereinbarung sei jedoch mit dem EU-Beitritt Polens obsolet geworden, argumentieren UniCredit und BA-CA. Zuletzt hat Warschau die Italiener ultimativ aufgefordert, die BPH innerhalb von drei Monaten zu verkaufen - ansonsten werde man den Verkauf der Pekao rückgängig machen. Alles scheint nun auf einen Show-down vor Gericht zuzusteuern.

In Kroatien dürfte der Verkauf der BA-CA-Tochter HVB Splitska Banka wohl unvermeidlich sein, da UniCredit hier auch den Marktführer Zagrebacka Banka besitzt. Die Notenbank in Zagreb hat ihre entsprechende Entscheidung bereits getroffen - jetzt wird nach einem Käufer gesucht, wobei Banken aus Österreich und Italien wegen der starken Präsenz dieser Länder auf dem kroatischen Bankenmarkt nicht in Frage kommen. (APA)

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