Auf einen echten Limoncello

5. Oktober 2006, 11:57
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In Ghino Ginners „l’Ambasciata della Puglia“ bekommt Mann und Frau einen selbstgemachten Zitronenlikör allererster Klasse. Was ja sonst in Wien kaum möglich ist

Wien ist ja insgesamt sehr italophil, alle möglichen Menschen jagen hinter Avernas, Brunellos, Barolos und Salieras her, und die meisten werden dabei auch fündig. Weil es ja nicht so schwer ist, sich das alles in Wien anzueignen. Aber wo bitte gibt es einen echten, selbstgemachten und mit frischen Zitronen aromatisierten Limoncello?

Da muss man hinaus in die beginnende Vorstadt und darf sich die Schuhe auf einem Türvorleger abputzen, den das Haupt eines der großen Staatsmänner Norditaliens ziert. Um die Schwelle zum Süden der langgezogenen Halbinsel zu überwinden, ist dies eigentlich auch nötig. Dann aber, frei im Kopf und frei von Winterkälte, sitzt man in der Botschaft von Apulien und läßt den Chef einfach walten.

Gerhart „Ghino“ Ginner ist zwar ein gebürtiger Wiener, aber – im Unterschied zum „echten“ – kein Nörgler und Meckerer, sondern weltoffen, aufgeschlossen und (auch was seine politische Haltung betrifft) ausgesprochen ausgeprägt. In der Region Apulien hat er sieben Jahre lang gekocht und sein Wissen nach Wien mitgenommen. Nachdem unser Thema aber nicht das Essen ist – das von einschlägigen Kritikern ja eh hoch gelobt wird und auch im Selbstversuch als traumhaft frisch und wunderbar würzig empfunden wurde –, soll hier auf das vielfältige Angebot an apulischen Weinen und besonders auf die hausgemachten Aperitifs und Digestivs hingewiesen werden.

Wo sonst in Wien bekommt man schon einen selbstgemachten Limoncello? In Ghinos apulischer Botschaft wird dieser aus sizilianischen Zitronen hergestellt, eingelegt in reinen, sauberen Alkohol, mit etwas Zucker versetzt und ausgepresst in die Flasche gefüllt. Reiner, schöner und authentischer als selbst im Land der Orangen und Zitronen, wo der Limoncello auch in den meisten Fällen aus der Großdestillerie kommt.

Allerdings ist Chefpresser Ghino ein echter Botschafter der süditalienischen Kultur und somit pflegt er auch die Liebe der Apulier und Sizilianer zur cremig-weichen Süßlichkeit. Womit gesagt sein will, dass der Limoncello aus der l’Ambasciata für meinen Geschmack etwas zu viel Zucker enthält, aber wer kann diese Liebe den Süditalienern schon abgewöhnen? Und mit einem Schuß frischen Zitronensaft läßt sich dies auch individuell ausgleichen.

Von Vene Maier

Trattoria
"L'Ambasciata della Puglia"
Währingerstraße 170A
1180 Wien
Tel. 479 95 92

Tgl. 12-15 Uhr
18-23 Uhr
Im Sommer ab 19 Uhr
Sonn- und Feiertags geschlossen

Tischreservierung erforderlich!

  • Schön anzuschauen und gut zu trinken: Limoncello in Ghinos „l'Ambasciata della Puglia“
    foto: vene vaier

    Schön anzuschauen und gut zu trinken: Limoncello in Ghinos „l'Ambasciata della Puglia“

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