Deutsches Internetportal für jüdische Themen wurde geknackt

10. Februar 2006, 10:11
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Auch der Webauftritt der französischen Zeitung "France Soir" "verschwunden" - Umstrittene Mohammed-Karikaturen als Hintergrund?

Das größte deutsche Internetportal zu jüdischen Themen, Nahostpolitik, Bekämpfung von Antisemitismus und rechtem Extremismus, Hagalil ist geknackt und völlig gelöscht worden. "Die IP Adresse, von der aus eine entsprechende Datei eingesetzt worden ist, alles Material auf dem Portal seit Donnerstagfrüh zu löschen, führt nach Qatar", sagte David Gall, Betreiber des Portals, das teilweise auch mit öffentlichen Geldern gefördert worden ist.

Kritik

Hagalil hatte die umstrittenen Mohammed-Karikaturen wie viele andere Internetseiten auch veröffentlicht, daneben aber auch antisemitische und antiamerikanische Karikaturen aus der arabischen Welt gestellt. Diese Art zu terrorisieren, zu hetzen und zu drohen, wie das in der ganzen arabischen Welt infolge der veröffentlichten Karikaturen geschieht, "gefällt mir überhaupt nicht", sagt Gall. "Vielleicht sollte der Westen auch mal beleidigt reagieren auf die unbeschreibliche Hetze mitsamt Beleidigungen, die täglich in der arabischen Welt veröffentlicht werden."

Relationen

"Ich vermute, dass Hagalil aus politischen Gründen zerstört wurde", meinte Gall. "Es ist doch verrückt, dass in Jemen 150.000 Menschen auf die Straße gehen, nur weil eine Zeitung in Aarhus ein paar Karikaturen veröffentlicht. Die dürften kaum wissen, wo Aarhus liegt. Ich weiß es selber nicht." Hagalil sei nun wirklich nicht als "Islamfresser" bekannt und habe sich zehn Jahre lang eher darauf konzentriert, "das Nazipack" in Deutschland zu bekämpfen. Durch das Virus aus Qatar sei jetzt auch die Seite "Klick nach Rechts" verloren gegangen, wo jeder Bürger neonazistische Vorfälle melden konnte. "Ich hoffe, dass wir Sicherheitskopien für alles Material besitzen. In jedem Fall bedeutet es sehr viel Arbeit, alles wiederherzustellen."

Begrenzte Möglichkeiten

Nach Angaben von Gall wurde das Landeskriminalamt eingeschaltet. Das will an Qatar ein Rechtshilfeersuchen schicken, "wegen Schädigung". Große Hoffnung macht er sich allerdings nicht.

Weitere Angriffe

Nach dem Hackerangriff auf das deutsch-jüdische Internetportal Hagalil ist Donnerstag Abend auch der Webauftritt der französischen Zeitung "France Soir" verschwunden. Die Zeitung hatte die umstrittenen Karikaturen des Propheten Mohammed veröffentlicht, der Chefredakteur wurde deshalb entlassen.

Spekulationen

Ein Techniker von "France Soir" sagte Donnerstag Abend auf Anfrage: "Das ist aber ziemlich annormal. Ich kann mir nicht vorstellen, dass es sich um ein technisches Problem handelt. Wahrscheinlich haben Piraten unsere Seite gelöscht."

Aufbauschen

Eine dänische Journalistin in Tel Aviv sagte: "Ich verstehe nicht, warum der Sender Al Jazeera ausgerechnet jetzt die Geschichte mit den Karikaturen so hoch gespielt hat. Die Karikaturen sind schließlich schon im vergangenen September erschienen und hatten damals keinerlei Aufsehen erregt."

Boykott

Inzwischen gab es in der ganzen arabischen Welt Demonstrationen. Dänische Produkte werden boykottiert und dänische Firmen verloren innerhalb von wenigen Tagen Geschäftsverbindungen in Millionenhöhe. (APA)

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