"In diesem Wahnsinn sollte es mehr Gelächter geben"

10. Februar 2006, 16:59
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Regisseur, Autor und Komiker Albert Brooks spaltet die US-Medien mit seinem Film „Looking for Comedy in the Muslim World"

Wenn einem heutzutage das Lachen nicht vergangen ist, so könnte es einem im Halse stecken bleiben, wenn man beobachtet, wie ernst manche Witze – Karikaturen aus Dänemark zum Beispiel – genommen werden. Hier, zur Entspannung gewissermaßen, eine heitere Episode: Die US-Regierung beauftragt einen alternden Komiker mit einer mindestens 500 Seiten dicken Untersuchung, womit man Menschen in der muslimischen Welt zum Lachen bringen könnte. Der Komiker reist nach Indien, ist derart selbstverliebt, dass er nicht einmal das Taj Mahal bewundern kann, und zumindest für seine Witze gilt: Die Zuhörer müssen sehr eingeraucht sein, um ihn lustig zu finden.

Kaum bekannt in Österreich

Dies ist in groben Umrissen der Inhalt des neuen Films des Regisseurs, Autors und Comedy- Stars Albert Brooks – eines denkbar intelligenten, eigenwilligen Künstlers, der hier zu Lande trotz Achtungserfolgen wie zuletzt The Muse (mit Sharon Stone) immer noch viel zu wenig bekannt ist.

Brooks, geschult im politisch inkorrekten Umfeld von Comedy-Größen der 70er-Jahre wie Lenny Bruce, gab seinem Film einen genial eingängigen Titel, der wiederum höchst unangenehme, für Außenstehende aber durchaus witzige Folgen hatte. „Wieso Looking for Comedy in the Muslim World?“, sollen ihn Manager der ursprünglichen Produktionsfirma Sony Pictures gefragt haben. „Das bringt die Leute nur unnötig gegen uns auf.“

160 Kopien

Albert Brooks, zusätzlich verärgert über einen verharmlosenden, verblödelten Trailer, zog die Konsequenzen – und wechselte den Verleih. Vergangene Woche ist Looking for Comedy in the Muslim World, vorerst mit lediglich 160 Kopien für die ganzen USA, gestartet – und erwartungsgemäß polarisiert der Film die Öffentlichkeit wie sonst derzeit nur Steven Spielbergs Terrordrama Munich.

Manche Kritiker geben sich etwa betont enttäuscht und klagen, dass Brooks einmal mehr überhaupt nicht witzig sei – etwa wenn er vor einem Auditorium in Delhi mit Stand-up- Routines baden geht, dass es nur so eine Art hat. Andere monieren, dass Indien wohl die verfehlte Location sei, um sich über die muslimische Denkweise zu verbreitern. Brooks dazu in Interviews: „Ich hatte keine Lust, in Marokko zu drehen, wie viele andere Filmemacher, denen man keine Drehs im Iran, Irak oder in Saudi-Arabien genehmigt. Und Ägypten? In Ägypten machen Juden aus Florida Urlaub!“ (Dass Brooks selbst Jude ist, wird im Film übrigens kurz angespielt.) Und: „Immer hin leben in Indien 150 Millionen Muslime. Ist das nicht genug?“

Premiere in Dubai

Erstes Aufsehen erregte Brooks’ Komödie übrigens auch wegen des nicht unklug gewählten Orts für die Weltpremiere. Beim Filmfestival in Dubai, das sich der Scheich Mohammed bin Rashid Al Maktoum seit zwei Jahren leistet, und mit dem er die Region, ähnlich wie mit Siebensternehotels, durch luxuriösen Glanz aufzuwerten versucht – bei diesem Event, vor unzähligen arabischen Multimillionären, Politikern und Medienleuten, machte Brooks gewissermaßen die Nagelprobe.

Keine Bösewichte

„Man hört ja immer, dass die da unten Amerika hassen. Aber was ich vorfand, war das beste Comedypublikum, das ich je erlebt habe“, erzählte Brooks in einem Interview mit dem Magazin People. „Irgendwie waren sie wohl auch froh, endlich einmal einen US-Film zu sehen, in dem Muslime nicht die Bösewichte sind. Überhaupt ist mir nicht klar, warum die USA ihre Ziele nicht mehr auf der Von- Mensch-zu-Mensch-Basis verfolgen. Sicher, wir können die Leute auch niederbomben, wenn wir das wirklich wollen, aber schlecht wär’s nicht, ein paar von ihnen öfter zum Abendessen einzuladen.“

Bleibt eigentlich für viele Interviewer nur noch die Frage, was denn so ein Film bewirken könne. Fragezeichen! Rufzeichen! Albert Brooks ist da pragmatisch: „Ach, wissen Sie, ,bewirken‘ oder ,die Welt verändern‘, das ist erfahrungsgemäß eher ein Unding. Mir reicht es, wenn die Leute sehen: In dem Wahnsinn dieser Tage sollte es mehr Gelächter geben.“ Hoffentlich demnächst auch in Österreich. (Claus Philipp, DER STANDARD Printausgabe, 03.02.2006)

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    foto: danheller.com
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