Russischer Bankenmarkt in Bewegung

22. März 2006, 09:43
posten

Nach wichtigen Reformen im Vorjahr stehen dem russischen Bankenmarkt heuer bedeutsame Ereignisse bevor - Das wichtigste: Institute werden erstmals an die Börse gehen

Der am Mittwoch dieser Woche erfolgte Kauf der russischen Impexbank durch die österreichische Raiffeisen International scheint den Beginn eines ereignisreichen Jahres auf diesem Sektor zu markieren. Finanzexperten prognostizieren für heuer jedenfalls bereits jetzt bedeutsame Ereignisse.

Die Eckpunkte dafür: Erstmals werden russische Geldinstitute an die Börse gehen und die Bildung eines vollwertigen Sektors von Bankaktien steht auf dem Fondsmarkt bevor. "Bis Ende dieses Jahres sehen wir möglicherweise die fünf größten russischen Banken an der Börse", meint jedenfalls der Analyst Pjotr Minin. In den Starlöchern stehen die - drittgrößte - Gasprombank, die ROSBANK, welche an siebenter Stelle rangiert sowie die "Bank Moskvy" und aller Voraussicht nach auch das Uralsib.

Sonderweg

Einen Sonderweg geht die zweitgrößte Bank Vneshtorgbank (VTB), die zuletzt alle Auslandsbeteiligungen der russischen Zentralbank erworben hat und elf ausländische Töchter besitzt. Sie setzt als einzige russische Bank auf eine internationale Expansion. Laut Handelsblatt VTB will man dazu spätestens in einem Jahr etwa ein Viertel des Kapitals in London und Moskau platzieren. Der erhoffte Erlös liegt bei 2,5 Mrd. Dollar.

Die Börsengänge sind insofern bedeutsam, als der Bankensektor bisher mehrheitlich in Staatshänden ist: Ihm gehören das größte Geldinstitut Sberbank, die VTB und über den staatlich kontrollierten Gasmonopolisten Gasprom auch die Gasprombank (ein Drittel hält die Dresdner Bank).

Tempo bei Fusionen und Akquisitionen

Neben den IPOs wird heuer auch bei Fusionen und Akquisitionen ein höheres Tempo vorgelegt werden. Groß vorexerziert hat das im Vorjahr die so genannte VTB mit dem Kauf der privaten Gutabank und der mehrheitlichen Übernahme der privaten Promstroybank in St. Petersburg.

Mit dem Zusammenschluss mehrere Institute unter seiner Marke stieg Uralsib zu einer der wichtigsten Banken des Landes auf. Schließlich ist als Tendenz vorgezeichnet, dass ausländische Banken heuer endgültig in Russland Fuß fassen - sei es über Akquisitionen oder über russische Tochterunternehmen, die Eröffnung ausländischer Filialen bleibt nämlich auch in Zukunft untersagt.

Schon in den letzten eineinhalb Jahren war - infolge von Krisensymptomen einiger russischer Banken - ein Wechsel verunsicherter russischer Klienten zu westlichen Banken zu beobachten. Deren Anteil am russischen Bankenkapital hat sich im Vorjahr von sechs Prozent auf elf Prozent erhöht.

Privatkundengeschäft

Mit dem Kauf der aufs Privatkundengeschäft spezialisierten Impexbank hat die Raiffeisen auf eine Tendenz reagiert, die im letzten Jahr zutage trat: und zwar die Entwicklung des Privatkundengeschäfts. Die traditionelle Skepsis der Russen gegenüber Banken beginnt sich zu legen. Zwar hortet die Bevölkerung noch immer Unsummen unter dem Kopfpolster, aber Bank und Klienten entwickeln Vertrauen zueinander, was das boomende Kreditwesen beweist. Hier wittern Analysten übrigens ein Risiko, denn der Zuwachs an Verbraucherkrediten wird den der Einlagen bald übersteigen.

Der Kapitalmangel bleibt ohnehin ein brisanter, dazu mit etwa 1300 Banken die große Zersplitterung des Sektors und die mangelnde Transparenz. Bemerkenswerterweise wurde 2005 eine neues System der Einlagensicherung ausgearbeitet - 900 Geldinstitute schafften die Aufnahme. Und die Aussonderung dubioser Institute geht weiter - mittels neuer Anforderungen hinsichtlich Rechnungslegung und Überprüfungen auf Geldwäscheaktivitäten. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 3.2.2006)

Eduard Steiner aus Kiew
  • Bild nicht mehr verfügbar

    Ausländische Banken werden in Russland Fuß fassen. Raiffeisen hat bereits die Impexbank aufgekauft.

Share if you care.