"Gute Kooperation in Iran-Krise"

2. Februar 2006, 18:42
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Vertreter des State Department lobt Zusammenwirken von Europa und USA

Wien - "Die Kooperation zwischen Europäern und Amerikanern in der Iran-Krise hat bisher sehr gut funktioniert", meint Daniel Weygandt im Gespräch mit dem STANDARD. Weygandt leitet im amerikanischen State Department die für die Beziehungen mit den deutschsprachigen Ländern zuständige Abteilung - und er kennt Wien von einem dreijährigen Aufenthalt als Diplomat (und gelegentlicher Teilnehmer an STANDARD-Montagsgesprächen) her sehr gut. Wien, meint Weygandt nebenbei, werde mit der Atombehörde IAEO und der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) in den kommenden Jahren eine zunehmend wichtige Rolle in der Diplomatie spielen.

In der Irankrise hätten es Europäer und Amerikaner geschafft, Teheran gegenüber einen Eindruck der Geschlossenheit zu erwecken - ein wichtiger Aspekt, "damit die Iraner nicht das Gefühl bekommen, die Staatengemeinschaft spalten zu können". Ungeachtet der extremistischen Ausdrucksweise Teherans in der Atomkrise gibt sich Weygandt vorsichtig optimistisch, dass langfristig gemeinsam mit den Russen und den Chinesen Lösungen gefunden werden können. "Ich glaube nicht, dass der Iran mit seinen demografischen Gegebenheiten und mit seiner hohen Jugendarbeitslosigkeit daran interessiert sein kann, ein Außenseiter und vom Zugang zu Technologie und Bildung ausgeschlossen zu sein."

Eine Frage der Zeit

Es sei auch nur eine Frage der Zeit, bis sich die iranische Bevölkerung von ihrer Führung nicht mehr mit populistischen Sprüchen abspeisen lassen, sondern sich überlegen werde, wie viel oder wenig sie selbst am Reichtum des Landes teilhat.

Nicht nur im Umgang mit dem Iran, auch sonst ortet Weygandt eine stetige Verbesserung der transatlantischen Beziehungen, seit George W. Bush im Februar 2005 mit einem Deutschlandbesuch die politische Eiszeit nach dem Irakkrieg gebrochen hat. Weygandt war an der Organisation des US-Antrittsbesuchs der deutschen Kanzlerin Angela Merkel beteiligt und er glaubt, dass es Merkel gelungen sei, "eine sehr differenzierte Botschaft an die Amerikaner zu überbringen". Merkel hatte in Washington die US-Regierung zur Einhaltung der Menschenrechte im Kampf gegen den Terror gemahnt.

Vieles, was den Amerikanern von den Europäern im Antiterrorkampf vorgeworfen wird, hält Weygandt für unfair, und die Differenzen in den Positionen etwa "bei den angeblichen CIA-Gefängnissen" würden notorisch stärker akzentuiert als die transatlantischen Gemeinsamkeiten. Man habe es einfach mit einer völlig veränderten Situation zu tun, die es nötig mache, etwa die Befugnisse der Geheimdienste neu zu kalibrieren. Aber: "Niemand will in den USA die Bürgerrechte abschaffen", und in Europa hätten die Regierungen teils viel mehr Möglichkeiten, die Freiheiten ihrer Bürger einzuschränken als in den USA. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 03.02.2005)

Von Christoph Winder
  • "Niemand will die Bürgerrechte abschaffen": Daniel Weygandt.
    foto: der standard/hendrich

    "Niemand will die Bürgerrechte abschaffen": Daniel Weygandt.

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