Wieder mal ordentlich durchatmen

1. Februar 2007, 16:02
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Gerade im Winter sollte man immer auf gute Atemluft in den eigenen vier Wänden achten. Wie Sie das machen, lesen Sie hier

Gute Atemluft wirkt sich auf das menschliche Wohlempfinden äußerst positiv aus. Gerade der eigene Wohnbereich als "Rückzugsgebiet" ins Private sollte möglichst frei von schädlichen Stoffen sein und damit Erholung und Ruhe ermöglichen. Das Umweltministerium gibt zum Thema "gesunde Raumluft" seit mehreren Jahren in Zusammenarbeit mit dem Österreichischen Institut für Baubiologie und -ökologie einen nützlichen "Wegweiser" heraus (siehe Linktipps), aus dem die folgenden Hinweise stammen.

Zuwenig Frischluft

Moderne, geradezu luftdicht abgeschlossene Innenräume haben zwar den Vorteil, dass dadurch Energiekosten gespart werden, allerdings gelangt so meist zuwenig Frischluft in die Räume. Außerdem können etwa Zigarettenrauch oder Reinigungsmittel, manchmal auch Baustoffe bzw. Materialien der Inneneinrichtung Schadstoffquellen sein - oft befinden sich in geschlossenen Räumen sogar mehr Schadstoffe als an belebten Straßenkreuzungen.

Folgen schlechter Atemluft können Befindlichkeitsstörungen (etwa Kopfweh, Übelkeit, Konzentrationsschwäche etc.) oder sogar ernsthafte Erkrankungen sein. Durch Luftverschmutzungen - etwa durch Lösungsmittel - wird oft der Atmungstrakt (Schleimhäute der Nase, des Rachens und des Kehlkopfes) oder auch die Bindehaut der Augen gereizt. Besonders trockene Luft begünstigt zusätzlich die Entstehung dieser Beschwerden.

Noch weitaus schwerer wiegende Folgen schlechter Atemluft können Allergien, Schäden bei inneren Organen bis hin zur Krebserkrankung sein. Bestimmte chemische Substanzen wie Asbest oder Radon (ein radioaktives Edelgas, das vor allem im Boden entsteht) können erwiesenermaßen Krebs hervorrufen, aber auch Tabakrauch enthält beispielsweise eine Vielzahl krebserregender Stoffe.

Luft zum Wohlbefinden

Gute Atemluft ist deshalb das Um und Auf für Wohlbefinden in den eigenen vier Wänden. Besonders wichtig ist sie in Räumen, in denen sich Kinder, Schwangere, ältere Menschen sowie Personen, die unter Atemwegsproblemen leiden oder sich gerade in der Regenerationsphase nach einer Krankheit befinden, aufhalten.

Luftfeuchtigkeit und Raumtemperatur

Wichtige Kriterien für bekömmliche Atemluft sind die Luftfeuchtigkeit und die Raumtemperatur. Erstere liegt idealerweise zwischen 40 und 60 Prozent, die Temperatur beträgt zwischen 19 und 22 °C.

Um einen raschen Austausch der verbrauchten Innenluft mit frischer Außenluft zu gewährleisten, empfiehlt sich eines: regelmäßiges Lüften. Die effektivste Maßnahme dabei ist das so genannte "Stoßlüften", ein vollständiges (und mehrmals tägliches) Öffnen der Fenster für 5 bis 10 Minuten.

Vermeiden Sie unbedingt dauernd gekippte Fenster! Dies führt nicht nur zu Energieverlust, sondern begünstigt durch Kondensation feuchter Innenluft sogar Schimmelbildung. Und haben Sie keine Angst davor, wegen des dauernden Durchlüftens an Unterkühlung zu sterben: Frische Luft lässt sich erheblich besser erwärmen als abgestandene. Zwischen den Lüftungszeiten kann sich bei geschlossenen Fenstern die Luft optimal erwärmen, die erwärmte Luft nimmt ein Maximum an Feuchtigkeit auf, die dann durch einen erneuten kompletten Luftwechsel wieder abtransportiert wird. Während der kalten Jahreszeit empfiehlt sich oft auch der Einsatz eines Luftbefeuchters, sofern dieser regelmäßig gereinigt wird.

Vorbeugung gegen Belastungen

Bei Anzeichen für einen Schimmelpilzbefall sollten Sie zuerst die Ursache ermitteln. Schimmelpilzsporen finden sich praktisch überall in der Luft, brauchen zum Auskeimen jedoch Feuchtigkeit. Diese entsteht oft an Wänden, Fensterstöcken oder Möbeln durch Kondensation der Luftfeuchtigkeit.

Neben dem bereits erwähnten ausreichenden Lüften, um Feuchtigkeit abzuführen, können noch eine Reihe weiterer Maßnahmen vorbeugend gegen Schimmel wirken. Eine ausreichende Wärmedämmung, die Vermeidung "toter Ecken" im Raum, die nicht belüftet werden können, und genügend Abstand zwischen Möbelstücken und Außenwänden sind unbedingt zu empfehlen. Außerdem sollte auf Kunststofftapeten verzichtet werden, damit die Wasserdampfdiffusionsfähigkeit der Mauer nicht beeinträchtigt wird.

Bei akutem Schimmelbefall sind "Sofortmaßnahmen" wie die vorsichtige Entfernung (Handschuhe und Mundschutz verwenden!) eine erste Abhilfe. Um das erneute Wachstum der Sporen zu unterbinden, muss jedoch die Ursache der Feuchtebelastung beseitigt werden. Mit Chemikalien sollte vorsichtig umgegangen werden, da diese oft selbst die Gesundheit enorm belasten können.

"Milde" Reiniger verwenden

Nicht nur der "wie von selbst" auftretende Schimmel, sondern auch viele Produkte, die im Haushalt verwendet werden - etwa Reinigungsmittel - können die Raumluft und damit die menschliche Gesundheit enorm belasten. Diese können darüber hinaus oft auch durch Hautkontakt Allergien hervorrufen. Um die Wohnumgebung nicht zu sehr mit Schadstoffen zu belasten, empfiehlt sich die bevorzugte Verwendung "milder" Reinigungs- und Pflegemittel gegenüber "aggressiven", lösungsmittelhältigen Desinfektions- und Reinigungsmitteln.

Auch beim Kochen - vor allem mit Gasherden - sollte auf ausreichende Frischluftzufuhr geachtet werden. Falls vorhanden, stets die Dunstabzugshaube einschalten!

Achtung beim Staubsaugen

Nach dem Staubsaugen herrscht oft für mehrere Stunden eine erhöhte Feinstaubbelastung, weil ein Teil des Staubes über das Gebläse des Staubsaugers wieder an die Raumluft abgegeben wird. Vor allem Hausstaub-Allergiker spüren dies - sie sollten beim Staubsaugen zumindest das Fenster öffnen, am besten aber auch Staubsauger mit Mikrofilter verwenden.

Der Schadstoff aus dem Fußboden

Bei glatten Fußböden wie Parkett- oder Linoleumböden ist Staubsaugen übrigens überflüssig - sie können feucht abgewischt werden. Bei relativ neu verlegten synthetischen Bodenbelägen (etwa aus PVC) können dafür über einen längeren Zeitraum Schadstoffe austreten. Bei Holzböden können Bodenbelagskleber oder Imprägnierungen teilweise sogar jahrelang für Schadstoffbelastung im Raum sorgen.

Nicht nur der Fußboden, auch Wände und Decke können die Raumluft belasten - etwa dann, wenn lösungsmittelhältige Farben und Lacke für den Anstrich verwendet werden. Mit diesen Mitteln sollte deshalb sparsam umgegangen werden; wenn Sie die Wand neu streichen, lüften Sie regelmäßig und gründlich - auch noch in den Wochen danach. Um auf Luftfeuchtigkeit und Geruchsstoffe ausgleichend wirken zu können, sollten Anstriche im Übrigen Wasserdampf aufnehmen und abgeben können.

Holzschutzmittel oft nicht notwendig

Oft verwendet, jedoch in den seltensten Fällen wirklich notwendig ist die Behandlung von Holzmöbeln bzw. -verkleidungen mit wirkstoffhältigen Holzschutzmitteln. Offen liegende, großflächige Holzverkleidungen können unbehandelt bleiben; wenn auf Holzschutz nicht verzichtet werden kann, sind Borsalzpräparate die bessere Lösung (siehe dazu die Website der ARGE Holzschutzmittel).

Generell gilt: Hobby- und Heimwerker atmen oft durch mangelhafte Information bzw. Anwendung erhebliche Mengen an Schadstoffen ein. Manche Produkte, etwa viele Holzschutzmittel, sind für Heimwerker auch gänzlich ungeeignet. Achten Sie deshalb darauf, umweltverträgliche Produkte sachgemäß zu verwenden (Hinweise auf der Verpackung beachten!) und informieren Sie sich über geeignete Arbeitsschutzmaßnahmen. Dann steht dem "tief Durchatmen" nichts mehr im Wege. (map)

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    foto: photodisc
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