IntegrationsforscherInnen verurteilen "Die fremde Braut"

2. Februar 2006, 11:44
4 Postings

Offener Brief in der "Zeit": Zerrbild des Islams - Autorin Necla Kelek kontert: Kritik zeuge von Realitätsferne

Hamburg/Berlin - Sechzig IntegrationsforscherInnen kritisieren in einem Offenen Brief in der Hamburger Wochenzeitung "Die Zeit", dass sich die deutsche Integrationspolitik im Wesentlichen auf Vorurteile stütze. Die WissenschafterInnen, angeführt von dem Kölner Psychologen und Publizisten Mark Terkessidis und der Bremer Erziehungswissenschaftlerin Yasemin Karakasoglu, gehen insbesondere mit der Sachbuchautorin und Soziologin Necla Kelek und ihrem Bestseller "Die fremde Braut" über türkische Zwangsehen hart ins Gericht. Kelek wies die Vorwürfe scharf zurück.

Zerrbild des Islams

Die in "höchstem Maße unseriöse Arbeit" Keleks zeichne ein Zerrbild des Islams, sei aber gleichwohl in Deutschland von amtlicher Seite empfohlen, vom ehemaligen Innenminister Otto Schily (SPD) gepriesen und mit dem Geschwister-Scholl-Preis ausgezeichnet worden. "Große Teile der Verwaltung, Ministerien und Medien", so heißt es in dem offenen Brief weiter, griffen "lieber auf unseriöse Pamphlete" zurück als auf differenzierte Forschung. So entstünden "ungenaue und vorurteilsbeladene Vorstellungen über den Islam und die Migranten".

"Multikulturalismus-Ideologie"

Kelek warf ihren KritikerInnen Wirklichkeitsferne vor. "Diese Migrationsforscher haben mit der sozialen Realität nichts zu tun", sagte die Autorin am Mittwoch in Berlin. "Sie arbeiten mit ihrer Multikulturalismus-Ideologie und überlassen die Integration dem Zufall." Entscheidende Probleme wie Zwangsheiraten und so genannte Ehrenmorde würden nicht thematisiert, sondern den Gesetzen überlassen. Kelek wurde 1957 in Istanbul geboren und lebt seit 1967 in Deutschland.

"Kein moralisches Problem"

In dem Brief heißt es weiter, arrangierte Ehen seien unter anderem eine Folge von "Heiratsmärkten" zwischen Herkunfts- und Einwanderungsländern. Solche "Märkte" müsse man nicht begrüßen, aber man solle ihren Entstehungskontext begreifen: "Sie sind das Ergebnis der Abschottungspolitik Europas gegenüber geregelter Einwanderungspolitik. Wenn es keine transparenten Möglichkeiten zur Einwanderung gibt, nutzen die Auswanderungswilligen eben Schlupflöcher." Dies sei "ein politisches und kein moralisches Problem". (APA/dpa)

  • Keleks Buch ist für die IntegrationsforscherInnen, die sich in einem Offenen Brief an die Öffentlichkeit wandten, eine in "höchstem Maße unseriöse Arbeit", die ein Zerrbild des Islams entwerfe.
    buchcover
    Keleks Buch ist für die IntegrationsforscherInnen, die sich in einem Offenen Brief an die Öffentlichkeit wandten, eine in "höchstem Maße unseriöse Arbeit", die ein Zerrbild des Islams entwerfe.
Share if you care.