Wirtshaus zur schönen Denise

6. Februar 2006, 11:03
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Es war nur eine Frage der Zeit: Jetzt aber hat der Brunnenmarkt ein wirklich tolles Esslokal

 

Dass an der Budel beim Herd die Männer wie verzaubert bei ihrem Bier sitzen und jede Bewegung in der Küche mit stieren, sehnsüchtigen Augen verfolgen, hat natürlich nichts damit zu tun, dass Denise Amann, Köchin und Ko-Chefin des "noi", so einnehmend apart aussieht. Die Herren sind bloß hungrig und warten auf einen Tisch und das außergewöhnlich gute, total biologische (aber keineswegs rein vegetarische) Essen der Frau Amann ...

Restaurant mit Bioladen

Schon klar: So, wie die 26-jährige Vorarlbergerin aussieht, könnte sie auch Aufstrichbrote servieren, und das Lokal wäre voll - wobei das "noi" ziemlich klein ist: ein Tisch für vier, einer für sechs und ein paar sehr kleine Zweiertische, die bei Bedarf zusammengerückt werden. Das Restaurant mit Bioladen (der von Geschäftspartner Gabriel Liedermann mit italienischen Delikatessen bestückt wird) gibt es seit zwei Monaten. Und es ist so ziemlich jeden Abend ausgebucht, was auch daran liegt, dass die Gegend um den Brunnenmarkt zwar seit Jahren erhebliche Anziehungskraft auf junge, urbane Geister ausübt, die sich nach einem pulsierenden, multikulturell durchmischten Stadtteil mit täglichem Markt sehnen, dass es außer dem Kent und der Vietnam-Nummer "Saigon" aber kaum ein Wirtshaus im Grätzel gibt, wo jenseits des Durchschnitts gekocht würde.

Mit dem "noi" (italienisch für "wir") ist das vorbei. Denn Frau Amann hat in Paris, Zürich und Rajasthan gelernt, und sie kocht, wie das wohl jeder gern könnte und am liebsten täglich äße: fantastisch geschmacksicher, unprätentiös wie eine mediterrane Mamma, mühelos zwischen asiatischen und europäischen Küchentraditionen pendelnd. Dass die Portionen riesig, der Service leger und das Publikum mit Altfreaks in bunten Combat-Boots und sehr gebildeten Bürgern mit Lesebrille auf der Nasenspitze selten gut durchmischt ist, macht den magischen Gesamteindruck komplett.

Empfehlenswert ist alles

Auf der kleinen, alle paar Tage neuen Karte gibt es stets vegetarische Optionen, wer sich fleischlich versündigen will, ist aber genauso willkommen. Empfehlenswert ist tatsächlich alles. Die Ravioli mit Süßkartoffelfülle, Kräuterbutter, Macadamias und Parmesan aber müssen extra vor den Vorhang: Der elastisch-bissfeste Pastateig ist schlicht perfekt, die Fülle wunderbar cremig, der grob gehobelte Parmesan von allererster Qualität, die Kombination so einfach wie zwingend - zum Weinen gut. Wie wird das erst, wenn man draußen sitzen kann! Tagsüber gibt es vegetarische Tagesteller (€ 5,90) von ähnlicher Qualität, nur einmal die Woche wird mittags auch Fleisch verkocht - "meistens am Freitag", wie Frau Amann mit durchaus diabolischem Vergnügen anmerkt. Reservierung ist Pflicht!
(Severin Corti/Der Standard/rondo/03/02/2006)

 

Fotos:
Gerhard Wasserbauer

noi, Payergasse 12
(am Yppenplatz)
1160 Wien
Tel.: 01 / 403 13 47
Di-Sa 12-15 und 18-23
Frühstück 8-16 Uhr
VS € 3,30-6,20
HS € 9,40-15,50

  • Die Köchin des "noi" kocht mindestens so gut wie sie aussieht - und das will was heißen!
    foto: gerhard wasserbauer

    Die Köchin des "noi" kocht mindestens so gut wie sie aussieht - und das will was heißen!

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    foto: gerhard wasserbauer
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