Fremdgehen ist überflüssig

9. März 2006, 13:32
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Damenuhren sind mehr als verkleinerte Herrenuhren - Ein Streifzug durch die Geschichte

Welchen Lauf hätte die Geschichte der Armbanduhr ohne den Durchsetzungswillen von Frauen genommen? 1914 befragte die Zeitschrift "Femina" ihre Leserinnen nach deren Meinung in Sachen Armbanduhr. Die überwiegende Mehrheit urteilte "vorwiegend positiv". Und nur zehn Prozent lehnten kategorisch ab.

Vielleicht erhob ein renommierter Fachhändler deshalb 1916 den Vorwurf, dass die Vorliebe für Armbanduhren nichts anderes als eine Verirrung des weiblichen Geschmacks sei, denn er betrachte das Handgelenk als völlig unpassenden Ort zur Befestigung von Zeitmessern. Neunzig Jahre nach diesem wenig schmeichelhaften Urteil würde es kein Mann und schon gar kein Juwelier mehr wagen, Frauen das Recht auf adäquate Zeitmesser abzusprechen. Und daran, dass frau selbige woanders als am Handgelenk befestigen könnte, denkt auch niemand mehr.

Ein Sieg auf der ganzen Linie also. Nicht zuletzt deshalb steht das feminine Uhr-Begehren in den Design- und Managementetagen der einschlägigen Industrie derzeit hoch im Kurs. Das Abspeisen allein mit verkleinerten Herrenuhren funktioniert nicht mehr. Eleganz, Extravaganz, Mode, Sportlichkeit oder schmückende Aspekte und überlieferte Uhrmacherei schließen einander keineswegs aus.

Fremdgehen für Tickendes hat sich erübrigt

Mittlerweile müssen Frauen nicht mehr unbedingt fremdgehen, wenn sie Tickendes wünschen. Girard-Perregaux beispielsweise hat das exklusive "Cat's Eye Tourbillon" mit dem Handaufzugswerk 9702-A kreiert. Es besitzt einen Durchmesser von 25,6 mm, und das Drehgestell rotiert unter einer massiven Goldbrücke.

Den Auswirkungen der verschiedenen Lichtphasen des Mondes auf das Alltagsleben trägt Maurice Lacroix mit seinem Masterpiece "Phase de Lune Dame" mit einfachem Vollkalendarium und bewährtem Automatikkaliber Eta 2824-2 in verschiedenen Ausführungen Rechnung. Patek Philippe hat ausdrücklich für Frauen eine Jahreskalender-Armbanduhr konzipiert - die Referenz 4936 bedarf nur jeweils Ende Februar einer manuellen Korrektur, um die Datumsanzeige für die nächsten 365 Tage auf Vordermann zu bringen.

Blancpains Handaufzugskaliber 5621 mit ewigem Kalender ist sogar bis Ende Februar 2100 programmiert. Mit seinen insgesamt 2,91 mm Höhe zählt es außerdem zu den weltweit flachsten. Das schützende Weißgoldgehäuse ist gerade einmal 6,76 mm hoch und widersteht dem nassen Element bis zu drei Atmosphären Druck. Der Name des Ensembles: "Villeret Quantième Perpétuel Ultraplat Dame".

Das Wort "Retro" steht über der tonneauförmigen "Tortue", deren Design vom legendären Louis Cartier stammt. Die aktuelle Rotgold-Variante "PM" trägt auf ihrem Glasrand reichlich Diamanten. Ihr 20,5 mm großes Uhrwerk heißt 430 MC und wünscht sich täglich einmal Kontaktaufnahme zum manuellen Spannen der Zugfeder. Ebel, oder besser gesagt das zierliche Kaliber Eta 2000 in der "1911 Lady", liebt es bewegt. Nur dann erhält der Rotor genügend Schwung für den automatischen Aufzug. Die sportive Schale und das zugehörige Armband bestehen aus Edelstahl.

Dem nahenden Frühjahr gemäß bekennt Chronoswiss Farbe. Sein femininer "Timemaster" ist mit bunten Zifferblättern und dazupassenden Armbändern erhältlich. Die Palette reicht von Altrosé über Rot, Pfefferminzgrün, Azurblau bis hin zu einem sonnigen Gelb. Beim Uhrwerk gibt es hingegen keine Wahl. Alle Versionen besitzen eine Eta-Automatik mit 42 Stunden Gangautonomie.

Wenn es um Mechanik geht, kennt Jaeger-LeCoultre keinen Pardon. Nicht weniger als 1000 Stunden muss jede der rechteckigen "Idéale" auf den Prüfstand, bevor sie an ein weibliches Handgelenk darf. Selbstverständlich stammt das Formhandaufzugswerk Kaliber 846 aus eigener Manufaktur.

Pulswärmende Uhren

Der Winter ist noch keineswegs vorüber und damit auch nicht die Zeit der "Baby Star Mink" von Zenith. Mit ihrem pulswärmenden Armband aus echtem Edelpelz verkörpert sie pure Weiblichkeit. Ins goldene oder stählerne Gehäuse mit Sichtboden baut Zenith sein Automatikkaliber Elite 67 ein. Wenn Strom und Bäche vom Eise befreit sind, gibt es natürlich auch passende Lederbänder.

Gegen ausbleibende Hotelweckrufe sichern sich Businessfrauen durch die Alarmfunktion ihres Mobiltelefons ab. Viel charmanter erinnert jedoch Vulcain ans Aufstehen. Diese Uhrenmarke hatte 1947 den ersten lautstarken Armbandwecker vorgestellt. Aktuell ist "Lady Millésime 1928" zur Stelle. Ihr Handaufzugswerk V-11 mit Datumsanzeige verfügt über zwei Federhäuser, von denen eines exklusiv für den Wecker zuständig ist. Schmückendes Beiwerk sind 80 Diamanten auf der Lünette des tonneauförmigen Edelstahlgehäuses.
(Gisbert L. Brunner/Der Standard/rondo/03/02/2006)

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    Zenith Star Tourbillon

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