Röhrenverstärker

3. Februar 2006, 15:30
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Die Wiener Rockband Gasmac Gilmore funktionierte einen U-Bahn-Wagon zum Konzertsaal um

Bei den Wiener Linien sieht man die Angelegenheit sportlich: "Den Beförderungsbedingungen entspricht es natürlich nicht, aber da sich offensichtlich niemand gestört gefühlt hat, sondern alle Spaß hatten, sagen wir: ,Why not?'", erklärt Wiens Öffi-Sprecher Johann Ehrengruber - im Nachhinein, denn davon, dass die Wiener Rockband Gasmac Gilmore Montagabend einen U-Bahn-Wagon zum Konzertsaal umfunktionierte, erfuhren die Wiener Linien erst vom STANDARD: Die Band hatte - mit Fahrscheinen für Personal und Verstärker - in Hütteldorf den Zug bestiegen. Erst in Heiligenstadt (der anderen Endstation) endete das Konzert - und unterwegs war es niemandem aufgefallen, dass da aus einem proppenvollen Wagon ziemlicher Krach kam. Freilich: Als Freibrief dürfe man das Schmunzeln des Nahverkehrsanbieters nicht sehen, betont Ehrengruber: "Als einmalige Sache ist das für uns Kunst im öffentlichen Raum - aber wenn das zur Gewohnheit wird, nutzt sich der Spaß schnell ab."

Urlaubsbilder

Ist ein Obdachloser im Urlaub obdachlos? Komische Frage, vor allem, weil es eher unüblich ist, dass Obdachlose Urlaub machen. Aber was, wenn doch? Und: Was passiert sonst, wenn Nie-Urlauber losfahren? Hubsi Kramar machte die Probe aufs Exempel: Der Schauspieler fuhr letzten Sommer mit vier Obdachlosen (Heidi Gross, Maria Kratky, Sascha Tscheik und Christian Viszterczill) nach Venedig, ließ die Kamera laufen und präsentierte Montag im Wiener Schikaneder-Kino einen liebevoll intimen, aber herzerfrischend unvoyeuristischen Zusammenschnitt von Sommer, Sonne, und Sonnenbrand - inklusive hochlustiger Biennale-Rezensionen. "Wonderful 2" ist schon Kramars zweiter Film aus dem Projekt "Obdachlose machen Ferien": 2004 reiste er mit einer ähnlichen Reisegruppe nach Kroatien - und schon damals taugte das Resultat dazu, allen hoch bezahlten Reality- und sonstigen Sozialpornofilmern zu beweisen, dass man das echte Leben auch dann spannend abbilden kann, wenn man die Akteure nicht der Lächerlichkeit preisgibt. (Beide Filme laufen am 6. 2. im Schikaneder-Kino). (DER STANDARD - Printausgabe, 2. Februar 2006)

  • Früher rockte man im U4, heute tut man das eben in der U4: Gasmac Gilmore.
    foto: robert rubak/gasmac gilmore

    Früher rockte man im U4, heute tut man das eben in der U4: Gasmac Gilmore.

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