Denn das Umhätscheln war einmal

8. Februar 2006, 12:29
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Das Österreichische Olympische Comité hat beschlossen, 82 Sport­lerinnen und Sportler zu den Winterspielen nach Turin zu schicken

Wien - Die Olympische Fackel hat es nicht leicht in diesen Tagen, plagt sich weiter bei ihrem Spießrutenlauf durch Italien. Am Sonntagabend wurde sie, die am 10. Februar das Olympische Feuer in Turin entzünden soll, in Mailand von Globalisierungsgegnern mit Schneebällen beworfen, auch die Träger der Fackel und die zu ihrer Bewachung abgestellten Polizisten bekamen etwas ab.

Extrawurst für die Skifahrer

Das ÖOC geht aber davon aus, dass das Feuer brennen wird und die Winterspiele stattfinden und hatte es vergleichsweise leicht, Österreichs Team zu nominieren. Der Vorstand segnete einstimmig einen Tross aus 82 mehr oder weniger Hoffnungsfrohen ab. Wie stets gibt's für die Skifahrer eine Extrawurst, schließlich haben sie am kommenden Wochenende noch in Ofterschwang (Damen) und Chamonix (Herren) zu arbeiten, erst nachher wird ihr Präsident Peter Schröcksnadel darüber befinden, welche 22 aus den vornominierten 33 die Reise antreten dürfen. Das größte Aufgebot kommt übrigens aus Russland (240). Dafür kommt aus Österreich ein Haus, es steht in Sestriere.

Medaillengewinner, verspricht wie stets ÖOC-Präsident Leo Wallner, werden mit Philharmoniker-Münzen belohnt (12.000 Euro für Gold) . Und damit das Team adrett auftritt, wird es am 4. und 5. Februar frisch eingekleidet, ehe es am 6. bei Bundespräsident Heinz Fischer den olympischen Eid leisten wird. Das Gewand hat einen Marktwert von 760.000 Euro, pro Frau sind 3900 Euro aufzuwenden, pro Mann 3800. Die Kosten für das Dabeisein Österreichs schätzt Wallner auf 1,6 Millionen Euro. Am 27. Februar wird das Team auf dem Kapitelplatz in Salzburg empfangen. Salzburg bewirbt sich für die Winterspiele 2014.

Mangel an Hätschl-Personal

Alles freilich ist nicht super. Die Österreicher befürchten nämlich einen Betreuermangel, und dafür trägt just Dieter Kalt, im ÖOC Vorsitzender des Wintersportausschusses, die oberste Verantwortung. Kalt ist schließlich Präsident des Eishockeyverbandes, und dessen Team verpasste die Qualifikation für Turin. Die Quote Sportler - Betreuer beträgt 1:1, dazu zählt auch ein 22-köpfiges Eishockeyteam, welches so viele Trainer und Masseure und so weiter gar nicht braucht, weshalb die Österreicher etwa in Nagano (1998) und Salt Lake City (2002) so richtig umhätschelt werden konnten.

Diesmal sind also neben 82 Aktiven 82 Betreuer akkredidiert, und ÖOC-Generalsekretär Heinz Jungwirth weist schon darauf hin, dass Trainer eines Sportlers, der sein olympisches Werk vollbracht hat, sich die Spiele fortan nicht genüsslich geben werden können, sondern sofort einem Kollegen die Akkreditierung geben müssen.

Kalt verspricht Besserung und im Hinblick auf die Spiele 2014, die im Sommer 2007 in Guatemala City vergeben werden, auch den Aufbau einer weiblichen Nationalmannschaft, Abteilung Eishockey. (Benno Zelsacher, DER STANDARD Printausgabe 31.01.2006)

  • Das Emblem von Turin 2006 stellt die Silhoutte des Wahrzeichens von Turin, die Mole Antonelliana, dar, die in einen Berg aus Eiskristallen transformiert wird, in denen der weiße Schnee den blauen Himmel trifft.
    grafik:ioc

    Das Emblem von Turin 2006 stellt die Silhoutte des Wahrzeichens von Turin, die Mole Antonelliana, dar, die in einen Berg aus Eiskristallen transformiert wird, in denen der weiße Schnee den blauen Himmel trifft.

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