Konstante Marktgröße

9. Februar 2006, 13:55
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Bis zu 350 Gemälde soll Rembrandt (1606-1669) im Laufe seines Künstlerlebens gemalt haben: Raritäten, wie der Blick in Kunstpreis­ datenbanken belegt

Seit 1986 gelangten nur 15 Ölbilder unter den Hammer.


Die vergangene Woche in New York abgehaltenen Altmeister-Auktionen lieferten einen neuerlichen Beweis für die konstante Marktgröße Rembrandts, der am 15. Juli dieses Jahres seinen 400. Geburtstag gefeiert hätte.

Das von der Forschung jüngst als authentisches Werk geadelte Porträt einer alten Dame - in den Siebzigerjahren von einem texanischen Ehepaar in einer New Yorker Galerie als zugeschrieben erworben - wechselte für 4,27 Millionen Dollar in amerikanischen Privatbesitz.

Laut der Kunstpreisdatenbank Artprice die 4875. seit 1986 bei einer Auktion versteigerte Arbeit des Niederländers. Aber diese Menge der Einträge täuscht, denn nur 15 entfallen auf die Kategorie Gemälde (bis zu seinem Tod 1669 soll er bis zu 350 ausgeführt haben), 38 in die Sektion Zeichnungen, und der große Rest umfasst Grafiken.

Dabei hatte der 1606 in Leiden geborene Rembrandt Harmenszoon van Rijn mit Auktionshäusern selbst so seine liebe Not. 1656 musste er aus wirtschaftlichen Gründen seine im Laufe der Jahre erworbenen Kunstgegenstände, Kostüme und seltenen Sammlerstücke, die ihm und seinen Schülern als Inspiration und Anschauungsmaterial dienten, über Auktionen verkaufen.

Weit unter Wert übrigens, und den zeitgenössischen Dokumenten ist zu entnehmen, dass Rembrandt bei der Taxierung seiner Kunstsammlung und deren Verkauf wahrscheinlich bewusst betrogen wurde. Mit 53 Prozent der weltweit getätigten Besitzerwechsel ist die USA exakt 350 Jahre später führend, gefolgt von 41 in Großbritannien abgewickelten Prozent.

Und obwohl seit 1997 99 Prozent der Umsätze mit Grafiken gemacht wurden, hat die Sektion Gemälde mit 68 Prozent den stärksten Anteil. Ein Blick auf die fünf höchsten Zuschläge zeigt die Verhältnismäßigkeiten: 1998 wechselten 561 Rembrandts im Wert von etwas mehr als elf Millionen Euro den Besitzer, darunter das Porträt eines Bärtigen mit rotem Mantel, für das der Kunsthändler Otto Naumann bei Sotheby's 8,25 Millionen Dollar (netto) deponierte. Drei Jahre später glänzte das 1633 entstandene Porträt neuerlich auf dem Auktionsparkett, diesmal bei Christie's, das dafür 11,5 Millionen Dollar einspielte (Jahresumsatz 2001: knapp 15 Millionen Euro). Weitere drei Jahre später trafen die Besucher der Palm Beach Classic neuerlich auf den Spitzbärtigen mit rotem Wams, im Angebot von Noortmann (Maastricht), der dafür 25 Millionen Dollar veranschlagte.

Die nunmehr nächste Station ist - so ließ der Händler verlautbaren - die diesjährige Tefaf (10.-19. März 2006). Und hier wartet man mit einem weiteren Highlight auf, das schon jetzt als das teuerste Bild der Messe gilt: Das seit 65 Jahren in Privatbesitz befindliche Ölbildnis vom Apostel Jakobus dem Älteren, datiert 1661, wird bei Salander O'Reilly (New York) nicht unter 45 Millionen Dollar zu haben sein. (DER STANDARD, Printausgabe, 2.2.2006)

Von Olga Kronsteiner

tefaf.com
  • 1661 malte Rembrandt Jakobus den Älteren: Das Bild steht für 45 Millionen Dollar in Maastricht im Angebot.
    foto: o'reilly

    1661 malte Rembrandt Jakobus den Älteren: Das Bild steht für 45 Millionen Dollar in Maastricht im Angebot.

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