Diskonter wachsen, andere nicht

3. März 2006, 10:31
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Der Lebensmittelhandel wuchs im Vorjahr. Das Plus geht aber auf das Konto der Diskonter Hofer und Lidl, die herkömmlichen Supermärkte verloren an Umsatz

Wien - "Ein leichtes Plus" konnte der Lebensmitteleinzelhandel im Vorjahr in Österreich verzeichnen - insgesamt kam die Österreich-Tochter des international tätigen Branchendienstleisters ACNielsen auf die vorläufige Prognose: plus 1,6 Prozent. Nominell, wohlgemerkt, zieht man nämlich davon die Jahresinflation von 2,3 Prozent ab, ist der Lebensmitteleinzelhandel 2005 real geschrumpft. ACNielsen beobachtet über die Scanner-Kassen in Österreich sämtliche Lebensmittelhandelsorganisationen außer Hofer und Lidl, deren Umsätze wurden aber geschätzt. Nicht erfasst werden Lebensmittelverkäufe auf Märkten, in Tankstellenshops oder in den Bäckereien und Fleischereien. ACNielsen erhebt so jedenfalls ein Marktvolumen von 14,9 Milliarden Euro.

"Das Ergebnis ist nicht wirklich überraschend. Der Anteil von Nahrungsmitteln am privaten Konsum ist seit Jahren rückläufig", sagt dazu Martin Prantl, Geschäftsführer von ACNielsen. Anteilig mehr Geld werde für Wohnen, Energie und Verkehr sowie für Freizeitgestaltung ausgegeben. "Dazu kommt eine Preissensibilisierung, bedingt durch die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen und höhere Arbeitslosigkeit, welche durch das Vordringen der Diskonter und der Preisschlachten im Lebensmittelhandel noch verstärkt wird."

Bei den Wachstumszahlen wurde die aktuelle Zweiklassengesellschaft im Handel wieder eindeutig abgebildet: Der traditionelle Handel sei insgesamt mit 0,6 Prozent leicht im Minus, die oben genannten Diskonter legten mit plus zwölf Prozent hingegen zweistellig zu.

Die rasante Expansion der Diskonter Hofer und Lidl findet somit exakt ihre Abbildung im Umsatzzuwachs: Auch die Zahl der Geschäfte ist im Vergleich zu 2004 um zwölf Prozent angestiegen. "Bisher lagen die Diskonter in erster Linie in Konkurrenz zu den Supermärkten. Aufgrund der nunmehr fast flächendeckenden Präsenz nehmen sie immer mehr auch eine Nahversorgungsfunktion wahr, was die kleineren Geschäfte nun zunehmend zu spüren bekommen", erläutert Prantl in einer Aussendung am Dienstag.

"Ist die Ware preiswürdig?"

Deswegen auch ist die Entwicklung bei den den Geschäftstypen unverändert geblieben: Nach wie vor verzeichnen Geschäfte in der Größenordnung zwischen 400 und 2500 Quadratmetern - also die klassischen Supermärkte sowie kleinere Verbrauchermärkte - Umsatzzuwächse zulasten kleinerer Kaufmannsläden.

Auch zur anhaltenden Preisschlacht um den Kunden bringt ACNielsen aktuelle Zahlen: Der Anteil der Aktionsware am Gesamtumsatz des Lebensmittelhandels sei 2005 bereits bei über einem Viertel gelegen, "wobei Preisreduktionen von bis zu 50 Prozent am Markt keine Seltenheit sind", heißt es. Dies führe laut den Marktforschern "zu einer zunehmenden Unsicherheit der Konsumenten betreffend die Preiswürdigkeit von Waren". (szem, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 2.2.2006 )

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    Diskont-Marktführer Hofer sowie Lidl expandierten und wuchsen zweistellig.

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