Diskussion im Kunsthaus Graz: Wie man die Kontrolle verliert

1. Februar 2006, 18:38
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Anlässlich der "Porno-Plakate": Kunsthaus Jour Fixe über "Kunst in den Medien"

Graz - Die Debatte war amüsant, hitzig, ein Schlagabtausch geradezu. Und doch schwer zusammenzufassen, wie STANDARD-Chefredakteur Gerfried Sperl, der Moderator des zwölften Kunsthaus Jour Fixe am Dienstagabend in Graz, in seinem Resümee einbekennen musste. Vielleicht auch deshalb, weil das Thema viele Ansätze ermöglichte. Denn es lautete, so Hausherr Peter Pakesch in seiner Begrüßung, "Kunst und Medien". Worauf Sperl ihn korrigieren musste. Schließlich ging es um "Kunst in den Medien".

Johanna Kandl, Professorin an der Angewandten, stellte gleich fest, dass sie die Kunstkritik nicht benötige. Für die Künstler sei es aber interessant, die enge Welt der Galerien zu verlassen, sich also am Kampf um den öffentlichen Raum, zu dem auch die Medien gehören, zu beteiligen.

Martin Heller, Intendant der Kulturhauptstadt Linz 2009, pflichtete bei: Inhaltlich gebracht habe ihm, dem Ausstellungsmacher, die Kunstkritik nichts. Das Spiel mit der Öffentlichkeit sei aber sehr wohl reizvoll. Allerdings: Man müsse sich über die Spielregel im Klaren sein, nach der man die Kontrolle über das, was man tut, verliert. Die Medien seien eben an Skandalisierung interessiert, maximal an einer guten Bebilderung.

Wolfgang Lorenz, ORF-Stratege und 25 Peaces-Konzeptionist, musste dies zu Jahresbeginn leidvoll erfahren: Er hatte eben keine Kontrolle über das, was die Medien, vornehmlich die Krone, über die Präsentation kritischer Kommentare zur EU von 75 Künstlern (darunter das skandalisierte Gustave-Courbet-Zitat mit dem Höschen) auf Rolling Boards berichteten. Doch er redete sich in seiner Erregung (Kunst sei in den Medien nur Dekoration, es gebe keine Auseinandersetzung mit ihr) in einen Strudel hinein. Denn Lorenz behauptete, dass die Kunst in die Kunst, das Theater in das Theater gehöre. Obwohl er als Präsentationsort für die Kunstwerke selbst ein Medium ausgewählt hatte, das sich als nicht tauglich erwies.

Dies kritisierte die Kunstkritikerin Sabine B. Vogel: Viel zu kurz für eine Erfassung des Inhalts seien die zehn Sekunden, die das jeweilige Sujet gezeigt wurde. Und Heller ergänzte: Er als Kurator hätte den Künstlern die Bedingungen des Mediums, eben die Notwendigkeit der schnellen Erfassbarkeit, vermittelt. Die Kunst hätte wie Werbung funktionieren müssen: Der Name des Künstlers dürfte folglich keine Rolle spielen.

Vogel ergänzte mit einem Hinweis: das museum in progress, dem DER STANDARD immer wieder Raum gibt, sei sehr spannend. Eben weil die Künstler sich mit dem Medium direkt befassen ...(DER STANDARD, Printausgabe, 2.2.2006)

Von Thomas Trenkler
  • Jour Fixe im Kunsthaus Graz - über "Kunst in den Medien" diskutierten diesmal (v. li.) Martin Heller, Johanna Kandl, Gerfried Sperl, Sabine B. Vogel und Wolfgang Lorenz.
    foto: peter philipp

    Jour Fixe im Kunsthaus Graz - über "Kunst in den Medien" diskutierten diesmal (v. li.) Martin Heller, Johanna Kandl, Gerfried Sperl, Sabine B. Vogel und Wolfgang Lorenz.

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