Die Wege der giftigen Partikel

5. Februar 2006, 21:53
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Während in Klagenfurt in einigen Wochen mit Fahrverboten gerechnet wird, will man in der Steiermark bis November warten

Graz/Klagenfurt – Seit einem Jahr wartet die Gesundheitsstadträtin Wilfriede Monogioudis (KP) auf eine Antwort auf die Frage, ob auch die Stadt Graz – und nicht nur die Landesregierung – den Verkehr sperren kann, wenn die Feinstaubbelastung wie in den letzten Tagen, neben Graz auch in Leoben, zur gesundheitlichen Bedrohung wird.

Der Landesverfassungsdienst schickte vor einem Jahr eine diesbezügliche Anfrage an den Verfassungsdienst des Bundeskanzleramtes (BKA). "Bisher hatte diese Anfrage nicht den Charakter, dass sie prioritär zu behandeln ist", meint auf Nachfrage des STANDARD Georg Lienbacher, der Leiter des Verfassungsdienstes im BKA, "wir haben Fristen einzuhalten und haben uns diese Anfrage deswegen noch nicht angeschaut." Vor Mitte März sei mit einer Beantwortung auch nicht zu rechnen. Prinzipiell kann Lienbacher aber sagen: "Wenn man will, kann man legistisch gesehen sofort Fahrverbote erlassen."

"Masterplan"

Der steirische Umweltlandesrat Manfred Wegscheider (SPÖ) will damit trotzdem bis zum nächsten Winter warten, denn sein "Masterplan" wird erst diesen Sommer fertig. "Fahrverbote müssen mit dem öffentlichen Verkehr vorbereitet werden, alles andere würde im Chaos enden", heißt es aus Wegscheiders Büro.

In Klagenfurt, wo die Überschreitungen im Durchschnitt niedriger sind als in Graz, kann es dagegen bereits in vier Wochen erstmals zu Fahrverboten kommen. Bei Überschreitungen des EU-Grenzwertes von 50 Mikrogramm pro Kubikmeter an mehr als fünf aufeinander folgenden Tagen soll die Völkermarkter Straße, eine der Haupteinfallstraßen in Klagenfurt, in beide Richtungen gesperrt werden. Eine diesbezügliche Verordnung wurde am Mittwoch zur Kundmachung gebracht. In der Innenstadt soll außerdem generell Tempo 30 verordnet werden.

Umstellung alter Heizungen

Laut einer von Wegscheider präsentierten Studie ist der Verkehr für 45 Prozent der PM-10-Partikel, die wegen ihrer geringen Größe ungehindert Schadstoffe tief in die Lunge transportieren können, verantwortlich. Der Hausbrand bläst weitere 30 Prozent in die Luft. In Graz setzt man daher auf die Umstellung alter Heizungen von festen Brennstoffen auf Gas oder Fernwärme. Wer Heizkostenzuschüsse empfängt, bekommt einen neuen Fernwärmeanschluss zur Gänze bezahlt. Das Land fördert den Umstieg auf bessere Heizsysteme sozial gestaffelt, zudem wird eine strengere Verordnung alle Feuerungsanlagen erlassen und die Grenzwerte bei Typenprüfungen verschärft. (Colette M. Schmidt, DER STANDARD – Printausgabe, 2. Februar 2006)

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    Die Inversionswetterlage zaubert romantische Landschaften, treibt aber auch die Feinstaubbelastung in die Höhe.

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