Women strike back!

2. Februar 2006, 07:00
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Strategien gegen Sexismus und Rassismus im weiten Feld der Popmusik: Der Reader "Female Consequences" wagt eine Verknüpfung

Pop geht uns alle an – neuerdings sogar den Papst - und doch ist er nicht für alle da, schließt aus, engt ein. Wenn aber der Papst drinnen ist, und so viele Identitätsentwürfe jenseits von "Weißheit" und "Männlichkeit" nicht, dann muss in diesem System doch etwas schief laufen ... wissen wir schon lange!

Popmusik als Oppositionskultur, als möglichen Entfaltungsort der Marginalisierten und Unterdrückten zu interpretieren und zu analysieren, hat seine Wurzeln in den Cultural Studies, einem politischen und wissenschaftlichen Projekt entstanden im links-intellektuellen Milieu der britischen Nachkriegszeit. Auch Feministinnen haben sich seit den 1970ern zunehmend mit der Ausgrenzung von Frauen aus Pop und dem gleichzeitigen Sexismus gegenüber den darin befindlichen Akteurinnen beschäftigt.

Mit dem struggle von Frauen in der Popmusik setzt sich jüngst auch der Reader "Female Consequences - Feminismus, Antirassismus, Popmusik" auseinander, herausgegeben von Rosa Reitsamer und Rupert Weinzierl im Löcker Verlag. Konkret geht es um die "Strategien gegen die Dominanz von weißer Männlichkeit in der Popularkultur", wie die beiden HerausgeberInnen im Vorwort anmerken.

In der Tat sind weibliche Ermächtigungsstrategien das Hauptthema, so zum Beispiel im Beitrag von Christiane Erharter und Elke Zobl, der feministische Fanzines, Musiknetzwerke und Ladyfeste als aktuelle Beispiele für unabhängiges Kulturschaffen aufzeigt. Im Beitrag von Wolfgang Fichna werden Subjektposititionen afro-amerikanischer Rapperinnen analysiert, Monika Ankele hat Vertreterinnen des weiblichen "Substreams" in Wien nach den Motiven ihres Musikschaffens befragt und gleicht diese mit Postulaten der US-amerikanischen Riot Grrrl-Bewegung ab.

Musik als "Entertainment"

Ein längeres Interview mit Janet Weiss, Drummerin bei "Sleater Kinney", wirft Fragen der kommerziellen und persönlichen Verwertung von Popmusik auf. Mit ihrem letzten Album "The Woods" wollte sich ihre Band expliziert einer Unterhaltungslogik entziehen ("how can you let music become something that you just play while you’re checking your email?").

Rosa Reitsamer hält in ihrem Beitrag vor Augen, dass die Erfüllung der Normative "Weißheit" und "Männlichkeit" mit der Freiheit verbunden ist, eine Vielzahl von Repräsentationsmodellen in der Popkultur wählen zu können. "Diese Freiheit bleibt Menschen nicht-weißer Hautfarbe, Frauen und Homosexuellen in ihren kulturellen Praxen meist verwehrt", analysiert Reitsamer.

Insgesamt bietet "Female Consequences" einen griffigen Überblick über gängige Anknüpfungspunkte von Feminismus an Popmusik, und hier vor allem aus analytischer Sicht. Allerdings fällt auf, dass die Kategorien "Geschlecht" und "Ethnie" in den einzelnen Beiträgen seltener zusammengedacht werden, als der Titel vermuten ließe. (freu)

Female Consequences
Feminismus, Antirassismus, Popmusik
Herausgegeben von Rupert Weinzierl und Rosa Reitsamer
Löcker Verlag
ISBN: 3854094299

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    foto: löcker verlag
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