Die Spionagesatelliten-Jäger

22. Februar 2006, 10:22
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Ein Hobby wie kein anderes: Über Jahrzehnte zeichnen Privatpersonen die eigentlich geheimen Wege nach

Es gibt Leute die verbringen ihre Freizeit damit Bierdosen aller Art zu sammeln, andere basteln an riesigen Modelleisenbahnanlagen. Manche aber haben ein wesentlich ausgefalleneres Hobby: Sie jagen den Bahnen von Spionagesatelliten hinterher, wie das Magazin Wired berichtet.

Aufdecken

Um die genauen Bahnen von geheim gehaltenen Satelliten dokumentieren zu können, reicht freilich eine Person nicht aus. So hat sich in den letzten Jahrzehnten eine eingeschworene Gemeinde gebildet, die weltweit Informationen über aktuelle Satellitensichtungen austauschen.

Simple Waffen

Ihre "Waffen" sind dabei recht simpel gehalten: Gute Ferngläser oder ein Fernrohr, aber vor allem: Sehr viel Zeit. Ganze Nächte verbringen sie auf Terrassen oder Dachböden, um am Himmel verdächtigen Objekten nachzuspionieren.

Website

Ein zentraler Anlaufpunkt ist dabei mittlerweile die Webseite Heavens-above geworden. Auf dieser werden die Bahnen von einer Unzahl von derzeit im Orbit befindlichen Satelliten nachgezeichnet - darunter auch an die 140 geheime US-Satelliten.

Strategisch

Ursprünglich waren deren Pfade weitgehend offen gelegt, doch im Jahr 1983 entschied sich die Reagan-Administration für einen Bruch mit dieser Tradition. Um der UDSSR mitten im "kalten Krieg" keine Informationen über die Routen der Militärsatelliten mehr zu liefern, wurden die entsprechend Daten ab dann geheim gehalten. Eine Maßnahme, die das private Netzwerk von Satellitenaufspürern allerdings erst so richtig motivierte.

Augenscheinlich

Denn die US-Regierung hat ein nicht zu unterschätzendes Problem: So ein Satellitenstart lässt sich schwer verheimlichen. Selbst wenn es um geheime Operationen geht, so sind doch die Raketenstarts noch in weiter Entfernung sichtbar, und werden entsprechend in der Aviation Week fein säuberlich festgehalten. Anschließend machen sich die Satelliten-Fans gemeinsam dazu auf, die Bahn des neuen "Jagdobekts" zu ermitteln.

In fast allen Fällen gelingt dies auch, mit einer bedeutenden Ausnahme, die dem entsprechenden Satelliten in einschlägigen Kreisen bereits: Im Jahr 1990 startete ein Satellit neuen Typs, der USA 53. Wenige Tage danach berichteten sowjetische Medien von einer Explosion im Zusammenhang mit USA 53, doch was wie ein Defekt wirkte, war offenbar Absicht: Ursprünglich recht auffällig ausgestattet, sollte die Entfernung einzelner Teile als Ablenkungsmanöver für das Abtauchen des Satelliten aus dem Blickpunkt der sowjetischen Behörden dienen.

Abtauchen

Monate später tauchte USA 53 noch einmal auf, er wurde von zwei Hobbyforschern in einem ungewöhnlichen Orbit über Edinburgh gesichtet, in dem sonst kein bekannter Satellit unterwegs ist. Seit dem wurde USA 53 - oder Misty wie ihn die Fangemeinde getauft hat - nie wieder gesichtet - entsprechend leidenschaftlich verläuft noch heute die Suche nach ihm.

Vorwürfe

Die Tätigkeiten der Satellitenaufdecker erfreuen natürlich nicht alle, gerade militärische Kreise zeigen sich regelmäßig über die Veröffentlichung der gesammelten Daten verärgert. In diesem Zusammenhang ist natürlich auf der Vorwurf der Unterstützung von Terroristen nicht weit.

Abdecken

Natürlich kann man das ganze auch von der anderen Seite betrachten, nach der den US-Behörden auf diese Weise sogar ein Dienst erwiesen wird. Denn Satelliten, die von Privatpersonen aufgespürt werden können, sind natürlich auch von staatlichen Stellen oder terroristischen Organisationen ausmachbar.

Nachspionieren

So wurden etwa in Afghanistan Dokumente gefunden, die beweisen, dass die Al-Kaida die Flugbahnen von US-Spionagesatelliten ausspioniert hat, um ihre Bewegungen zu verschleiern.(red)

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