Wiener Airport endgültig in Bratislava gelandet

14. März 2006, 18:03
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Regierung gab grünes Licht – Kosten: Kaufpreis und garantierte Investitionen von 539 Millionen Euro

Wien/Bratislava – Der Wiener Flughafen hat am Mittwoch endgültig den Zuschlag zum Kauf von 66 Prozent an den beiden slowakischen Flughäfen Bratislava und Kosice bekommen. Die slowakische Regierung, die zuvor noch eine finanzielle Nachbesserung verlangte, gab ihre Entscheidung am Mittwoch zu Mittag bekannt. Das siegreiche Konsortium TwoOne, dem neben dem Wiener Flughafen auch die Raiffeisen Zentralbank und die slowakische Finanzgruppe Penta angehören, zahlt für beide Airports 299 Mio. Euro und hat sich dazu verpflichtetet, bis 2010 weitere 250 Mio. Euro zu investieren.

Die Freude in Wien war erwartungsgemäß sehr groß. Flughafen-Chef Herbert Kaufmann hofft, dass die Investitionspläne ab dem Sommer umgesetzt werden können, so lange dauert es, bis die Verträge und Genehmigungen vorliegen. Zufrieden mit der Entscheidung der slowakischen Berhörden ist auch SkyEurope-Chef Christian Mandl, dessen Billigairline am Flughafen Bratislava stationiert ist: "Wir hoffen nun endlich auf Investitionen, da in den vergangenen zehn Jahren wenig gemacht wurde. Wir erwarten, dass ein professionelles Management bei denselben Kosten eine bessere Qualität bietet." Das ist auch die Intention der Wiener, die das bestehende Terminal aus- und ein neues errichten werden, das dann für sechs Mio. Passagiere (derzeit 1,3 Mio.) Platz bieten wird. Dazu kommen Shops, Gastronomie, ein dringend notwendiges Parkhaus, die Vorfelderweiterung und die Pistenverbesserung.

Transfer-Drehkreuz

Kaufmann sieht den Wiener Airport künftig als Transfer- Drehkreuz für den West-Ost- Verkehr und die Langstrecke. Von Bratislava aus ist der Punkt-zu-Punkt-Verkehr für Business-, Charter- und Low- Cost-Carrier geplant. Mit diesem Konzept will man gegenüber der Konkurrenz in Zürich, Prag und München bestehen. Neben dem Ausbau der Autobahn und der Verlängerung des mehrheitlich dem Flughafen gehörenden CAT (siehe Geschichte darunter) wird die Busverbindung zwischen den beiden Airports ausgebaut. Als Sofortmaßnahme wird man in Wien beim City Check-in inklusive Gepäck für Abflüge ab Bratislava einchecken können.

Weniger Investitionsbedarf besteht am Flughafen Kosice, an der Grenze zur Ukraine mit jährlich etwa 300.000 Passagieren. Dort gibt es bereits ein modernes Terminal. Kosice wird von SkyEurope, AUA, und der CSA angeflogen.

Der Widerstand der slowakischen Opposition gegen den Flughafenverkauf schwächt trotzdem nicht ab. Nachdem am Dienstag das Parlament in Bratislava einen Antrag der größten Oppositionspartei, Smer, auf einen sofortigen Stopp des Verkaufs erneut abgelehnt hatte, organisierte Parteichef Robert Fico am Mittwochmorgen eine weitere Protestaktion und wiederholte dabei seine Drohungen. Demnach will die Smer nach einem eventuellen Wahlsieg die gesamte Ausschreibung annullieren. Die nächsten Parlamentswahlen finden in der Slowakei im Herbst statt, wobei die Smer mit aktuellen Präferenzen von über 35 Prozent als eindeutiger Wahlsieger sicher scheint. (cr, rka, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 2.2.2006)

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    Das Konsortium TwoOne erhält den Zuschlag.

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