Die Zukunft von Taxi Orange ist im Internet

8. Februar 2006, 10:29
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Nach der Onlinewelle an Blogs und Podcasts bricht jetzt Video-Podcasting über uns herein

Jetzt ist online schon wieder etwas passiert. Gerade erst hat ein breiteres Publikum begonnen "Blog" (Online-Journale) und "Podcast" (Online-Audiobeiträge) in ihr Vokabular nie endenwollender Wortschöpfungen des Onlinezeitalters aufzunehmen. Da kommt schon wieder ein neues daher: "Video-Podcast", auch "Vlog" (von Video-Blog), werden Videobeiträge in wenigen Minuten Länge genannt, bei völlig freier Themenwahl.

Stars

Einige der neuen Sternchen am Medienhimmel haben, dank entsprechender Quote, bereits Starstatus erlangt. "Rocketboom" ist eine tägliche Fünf-Minuten-Show "mit Amanda Congdon" aus New York, eine Parodie auf das TV-Nachrichtenformat, gelegentlich mit ernsten Beiträgen wie zu John Lennons 25. Todestag. Derzeit versteigert "Rocketboom" über eBay Werbezeit - mindestens 130.000 Zuschauer pro Beitrag werden garantiert.

"Tiki Bar TV"

Ein anderes Videoblog, "Tiki Bar TV", zieht für seine Drei-Minuten-Spots, bei der im Rahmen parodistischer Dramolette Cocktailrezepte geliefert werden, bereits rund 200.000 Zuschauer für jede Episode an. "It's Jerry Time!" erzählt in einer, an Monty Python's Flying Circus erinnernden, fotorealistischen Animation Episoden aus dem Leben eines "typischen" Losers - ein bisschen "Simpsons" im neuen Format. Hinter vielen der ambitionierten Video-Blogs stehen Teams junger Uni-Absolventen, die hier mit relativ geringem Aufwand nach einer Bühne und neuen Darstellungsformen suchen.

Andere Beispiele für Videoblogs sind trivialer und erinnern in ihrer Machart an "Taxi Orange" oder andere Formen des Reality TV: Einblicke in den Alltag durchschnittlicher Menschen, die eigentlich keinen besonderen Grund haben, verfilmt oder gar gezeigt zu werden - außer, dass es jetzt jedermann möglich ist und via Internet weltweit ausgestrahlt werden kann. Wie "30 Sekunden: Jeder Tag ein neuer Blick auf die Welt" - belanglose Clips aus dem "Hofbräuhaus" oder beim "Schneeschaufeln".

Reiseerlebnisse

In das richtige Format gebracht lassen sich auch solche Amateurvideos verwerten, wie "Zoom and Go" zeigt: Hier gibt es Videorezensionen von fernen Urlaubszielen und Hotels, die andere Menschen zur Vorbereitung ihrer eigenen Reisen konsumieren; "Zoom and Go" vermarktet die Videoclips an Reisebüros für deren Onlineangebote.

Der deutsche Sprachraum hinkt dabei hinterher, sagt der Podcaster und Wissenschaftsjournalist Thomas Wanhoff in einer Mail an den STANDARD. Wanhoff produziert wöchentlich "Wanhoffs wunderbare Welt der Wissenschaft", (Audio-)Podcasts zu Wissenschaftsthemen, und seit Kurzem auch Reisepodcasts. "Videopodcasts sind aufwändiger zu produzieren", sagt Wanhoff, "es ist definitiv einfacher, in ein Mikro zu sprechen, als sich Bilder dazu zu überlegen. In Deutschland ist das noch in der Spielphase."

"Die Amis denken da eher in Showkategorien"

Ein Grund, warum sich die Szene in den USA schneller entwickelt, sieht er in der Publikumsorientiertheit der dortigen Produzenten. "Die Amis denken da eher in Showkategorien und versuchen, Interessantes für die Zuschauer zu produzieren, also den Fokus klar auf die Abnehmer zu haben. Hier ist das ,Wir probieren das einfach mal aus' verbreiteter", die "Produzentensicht" herrsche vor.

Was letztlich darüber entscheidet, ob aus den zarten Pflänzchen tatsächlich ein massentaugliches neues Medienangebot entstehen kann, sind die technischen "Empfänger" - also die einfache Möglichkeit, viele verstreute Angebote zu einem leicht konsumierbaren individuellen Programm zusammenzustellen. Apples iTunes Plattform hat dazu einen Anfang gemacht, andere folgen.

FireAnt

Fireant.tv ist ein solcher Softwareempfänger: Er sammelt "Kanäle", holt automatisch neue Sendungen, und kann sie entweder am PC/Mac oder portablen Geräten wie dem iPod oder der Sony Playstation Portable (PSP) abspielen. (Helmut Spudich, DER STANDARD Printausgabe 1.2. 2006)

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