"Theater" in der Josefstadt

20. März 2006, 20:56
20 Postings

Abgezogene Bürogeräte und Akten und Gemälde, die fehlen - Grüner Bezirksvorsteher erhebt schwere Vorwürfe gegen Vorgängerin

Verschwundene Akten, abgezogene Bürogeräte, Gemälde, die fehlen - Heribert Rahdjian, grüner Bezirksvorsteher in der Josefstadt, erhebt schwere Vorwürfe gegen seine Vorgängerin von der ÖVP, die (fast) alles bestreitet. Immerhin: Die Bilder sind jetzt wieder aufgetaucht.

***

Wien - Begonnen hat alles im Büro von Heribert Rahdjian, dem neuen Grünen-Bezirkschef in Wien-Josefstadt, mit einer Stehpartie. Die "alten" Büromitarbeiter waren samt Sessel umgezogen - in die Bezirksvorstehung Innere Stadt.

Bei Rahdjian, der das Amt von VP-Bezirksvorsteherin Margit Kostal übernommen hat, arbeiten seither jene aus dem ersten Bezirk. Und was im Dezember als Operette, wie Rahdjian meint, angefangen hat, könnte ein ernstes Nachspiel haben. Seit Wochen versucht der Grün-Politiker, das Büro einsatzbereit zu machen - kein leichtes Unterfangen.

In einem Brief, den Rahdjian am 23. Jänner an Magistratsdirektor Ernst Theimer geschickt hat, ersucht er um Hilfe. In dem Schreiben, das dem STANDARD vorliegt, sind die Vorgänge in seinem Amt akribisch aufgelistet. So muss es etwa verdutzte Gesichter gegeben haben, als Mitarbeiter in alte Akten einsehen wollten. "Da waren lauter leere Briefordner, Hülsen", sagt Rahdjian im STANDARD-Gespräch. Eine Bestandsaufnahme ergab nun, so der Bezirkschef am Dienstag, folgendes Bild: "Alle Aktenstücke vor dem 1. Jänner 2004 sind nicht vorhanden." Im Schreiben findet sich auch der Fall, wie seine Mitarbeiter nur durch Zufall erfahren haben, dass es ein Konto bei der Erste Bank mit immerhin knapp 5500 Euro plus gibt. Ein Kontoauszug war mit der Post eingelangt.

Kostal: "Davon ist mir nichts bekannt<>< kostal,="" rahdjians="" vorgängerin,="" sagt="" zum="" vorwurf,="" akten="" seien="" verschwunden:="" "davon="" ist="" mir="" nichts="" bekannt.="" ich="" weiß,="" dass="" er="" das="" behauptet.="" alles="" was="" für="" die="" arbeit="" da="" zu="" sein="" hatte,="" war="">

In der Magistratsdirektion gibt man sich kurz angebunden. "Bezirksvorsteher gehören ja nicht zum Magistrat. Jene Teile, die das Magistrat betreffen, werden überprüft", sagt Rudolf Gerlich, Sprecher der Magistratsdirektion. Und: "Gibt es den Verdacht einer strafbaren Handlung, geht das an die Staatsanwaltschaft."

Akten und Sessel waren aber längst nicht das einzige, was beim Mitarbeitertausch in den ersten Bezirk mitgenommen wurde. "Die haben gesagt, Kostal habe ihnen das geschenkt", sagt Rahdjian und listet auf: Drucker, Scanner, DVD-Brenner, Thermo-Bindegerät und Papierfaltmaschine.

"Legitime" Mitnahme

Von geschenkt "in dem Sinne" will Kostal nicht reden. Sie habe über die so genannten Verfügungsmittel "Sachen zur Erleichterung der Arbeit ihrer Mitarbeiter gekauft". Aus ihrer Sicht sei es legitim, dass sie es in den ersten Bezirk mitgenommen haben.

Die Espressomaschine, die auch mitgenommen wurde, kam jedenfalls gleich zurück. Und der Rest nach langem Hin und Her - außer dem Bindegerät und der Faltmaschine.

Anzeige gegen unbekannte Täter

Im Fall verschwundener Bilder hat Rahdjian am 23. Jänner sogar eine Anzeige gegen unbekannte Täter eingebracht. Zwei Bilder (Gesamtwert 4600 Euro) wurden bis dahin vermisst, zwei weitere hat er nach langer Suche am Dachboden gefunden. Erste Früchte der Anzeige: Eines der beiden Gemälde wurde bereits retourniert, das letzte fehlt noch. Wird es zugestellt, verspricht der Bezirkschef auch seine Anzeige zurückzulegen. Ausfindig gemacht wurde es bei der ÖVP-Josefstadt. Wobei es sich da, so versichert VP-Bezirksparteiobmann Andreas Ottenschläger, um eine Verwechslung von Gemälden gehandelt habe. Nach Bekanntwerden des Irrtums sei das Bild sofort an die zuständige Magistratsabteilung 7 übergeben worden.

Im Büro von Kulturstadtrates Andreas Mailath-Pokorny (SPÖ) sieht man die Bilder-Geschichte gelassen. Bezüglich der Anzeige werde davon ausgegangen, dass sie zurückgezogen wird, hieß es am Dienstag: "Es sind alle Objekte da." (Peter Mayr, DER STANDARD Printausgabe 1.2.2006)

  • Bezirkschef Heribert Rahdjian mit einem Ordner, der eigentlich voll sein sollte: Die Akten vor 2004 gebe es nicht mehr, sagt er. Auch der Schriftverkehr sei "verschwunden".
    foto: standard/ cremer

    Bezirkschef Heribert Rahdjian mit einem Ordner, der eigentlich voll sein sollte: Die Akten vor 2004 gebe es nicht mehr, sagt er. Auch der Schriftverkehr sei "verschwunden".

Share if you care.