Raiffeisen kauft sich an Russlands Spitze

22. März 2006, 09:43
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Raiffeisen International kauft um 454 Millionen Euro die Impexbank - RI ist nun die siebtgrößte Bank des Landes - Weitere Zukäufe folgen

Wien – Raiffeisen International (RI), die börsennotierte Ostbankenholding des Sektors, hat am Dienstag kurz vor Mitternacht wieder einen Deal im Osten unter Dach und Fach gebracht. Im 14. Stock des Wiener Hilton, wo das Akquisitionsteam untergebracht ist, unterschrieben RI-Chef Herbert Stepic und drei russische Geschäftspartner den Kaufvertrag für die Moskauer Impexbank. Verkäufer ist unter anderen der russische Magnat Boris Ivanishvili.

RI übernimmt 100 Prozent der aufs Geschäft mit Privatkunden sowie Klein- und Mittelbetrieben fokussierten russischen Bank und lässt sich das bis zu 454 Mio. Euro kosten. Bevor bezahlt wird, nehmen die Prüfer noch die Bücher penibel unter die Lupe – je nach Ergebnis kann sich der Preis noch etwas verringern. Er entspricht im Maximalfall dem dreifachen Buchwert der Bank, was Wiener Analysten als "recht günstig" einstufen.

Mit dem Kauf der Impexbank wird RI größte ausländische Bank Russlands. Sie verdrängt die Bank of Moscow (UniCredit) auf Platz zwei, dahinter rangiert die Citibank.

Die Impexbank wird mit der seit 1997 bestehenden russischen Raiffeisenbank (1,3 Prozent Marktanteil, 1300 Mitarbeiter, Schwerpunkt: Großkunden) fusioniert. RI-Chef Herbert Stepic bei einer Pressekonferenz gestern in Wien: "Die beiden Banken passen perfekt zusammen." Die geballte Bullenkraft in Zahlen: Die neue Bank wird siebtgrößtes Institut Russlands, hält 1,9 Prozent des extrem zergliederten russischen Bankenmarkts, hat 5600 Mitarbeiter, an die 45 Mio. Euro Jahresüberschuss.

"Galaktisches Fenster"

In der Sprache des gern pointiert formulierenden RI- Chefs hört sich die Geschichte des Kaufs so an: "Es hat sich ein galaktisches Fenster aufgetan." Verhandelt wurde seit Dezember, davor hatte sich unter anderem die Deutsche Bank für die Moskauer Retailbank interessiert. Dass gerade die Giebelkreuzler den Zuschlag erhielten, erklärt sich Stepic so: "Wir waren in der Russlandkrise 1998 eine der ganz wenigen Banken, die nicht die Kreditlinien strichen. Seitdem sind wir der Darling der Russen."

Der Reiz an Russland: Es ist der größte und am stärksten wachsende Markt im Osten. Die Kreditnachfrage boomt, besonders bei den Privatkunden. Und: Mit der Impexbank (190 Filialen und 350 kleine Geschäftsstellen) gelangt Raiffeisen in die entlegensten Winkel des Landes, bis auf die Halbinsel Kamtschatka (472.000 Quadratkilometer, 402.000 Einwohner, 160 Vulkane). Stepic: "Raiffeisen erreicht jetzt theoretisch 70 Prozent der russischen Bevölkerung von hundert Millionen." Seine Rechnung: "Würden wir organisch wachsen, bräuchten wir vier Jahre, um zu diesem Ergebnis zu kommen."

Die Zeitersparnis soll natürlich genützt werden – mit weiteren Einkäufen. "Wir haben immer mehrere Eisen im Feuer", meint Stepic und denkt dabei an die "Stan-Länder" (etwa Kastachstan, Usbekistan, Kirgisistan).Geld sei noch da, eine Kapitalerhöhung plant Stepic für 2007. (Renate Graber, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 2.2.2006)

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    RI übernimmt 100 Prozent der aufs Geschäft mit Privatkunden sowie Klein- und Mittelbetrieben fokussierten russischen Bank und lässt sich das bis zu 454 Mio. Euro kosten.

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