ORF: "Mobbing" gegen Mitarbeiter

13. März 2006, 16:39
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Opletal war fix, zog Bewerbung zurück - Laut Redakteursrat nach "Unterstellungen" und Querschüssen - Resolution im Wortlaut

Der Redakteursausschuss des ORF hat am Dienstag öffentlich die Vorgehensweise des ORF bei der Besetzung des neuen Korrespondentenbüros in Peking kritisiert. Bei der konstituierenden Sitzung wurde eine Resolution beschlossen, in der eine "angemessene Entschuldigung" der ORF-Geschäftsführung bei Helmut Opletal, der eigentlich nach China gehen sollte, sowie eine sofortige Neuausschreibung der Position gefordert, hieß es in einer Aussendung.

"Der bestgeeignete Journalist für diese wichtige Aufgabe"

Die Vorgeschichte: Der ausgewiesene China-Kenner Helmut Opletal galt schon länger als möglicher Leiter für das 2006 geplante ORF-Büro in der chinesischen Hauptstadt. Am 29. Dezember 2005 teilte der ORF denn auch in einer Aussendung mit, dass Opletal mit April 2006 für den ORF aus China und dem gesamten südostasiatischen Raum berichten werde. Info-Direktor Gerhard Draxler und Radiodirektor Kurt Rammerstorfer freuten sich in dieser Aussendung, Opletal sei "der bestgeeignete Journalist für diese wichtige Aufgabe", verfüge er doch über profunde Kenntnis im asiatischen Raum.

Opletal spricht fließend Mandarin, verfasste seine Dissertation über China und war schon in den 80er Jahren für den ORF in Peking. Für eine Reportage über die Hungerkatastrophe in Nordkorea erhielt er 1998 den Dr.-Karl-Renner-Publizistikpreis.

"Tief ins Persönliche gehende Unterstellungen ausgestreut"

Doch in den Wochen nach dieser öffentlichen Bekanntgabe sei es zu Querschüssen gekommen und seien "in- und außerhalb des Unternehmens plötzlich andere Vorstellungen geäußert" worden, schrieb der Redakteursausschuss am Dienstag. Darüber hinaus seien "zum Teil tief ins Persönliche gehende Unterstellungen ausgestreut" worden, die "durchaus als Mobbing verstanden werden können". Aus diesen Gründen habe Opletal schließlich seine Bewerbung zurückgezogen.

Die ORF-Redakteure kritisierten am Dienstag die "absolut unprofessionelle und menschenverachtende Vorgangsweise" der Verantwortlichen. "Es darf nicht der Eindruck erweckt werden, dass bei der Besetzung von journalistischen Funktionen Qualitätskriterien zu vernachlässigende Nebensachen seien. Genau das ist aber im Fall der Besetzung des neuen ORF-Büros in Peking geschehen."

Medienberichten zufolge soll auch der Zentralbetriebsratsobmann des ORF, Heinz Fiedler, ein Wörtchen bei den Vorgängen mitgeredet haben. Er soll statt Opletal Ernst Gelegs, derzeit ORF-Mann in Budapest, favorisiert haben. Dieser dementierte dies jedoch entschieden. Von Seiten des ORF gab es am Dienstag zu der Causa vorerst keinen Kommentar.

Neuer Redaktionsrat

Bei der Redakteurssitzung am Dienstag wurde auch der neue Redakteursrat bestellt: Er besteht aus Markus Sint (Landesstudio Tirol), Danielle Spera (Zeit im Bild) und Fritz Wendl (Radio-Konsumentenredaktion) als Vorsitzender. Stellvertretende Mitglieder sind Michael Csoklich (Radio Wirtschaftsredaktion, Klaus Unterberger ("Volksanwalt") und Eva Ziegler (Landesstudio Oberösterreich). (APA)

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