Äußerst schmeichelhaft

19. Mai 2006, 17:30
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Seide schmeichelt der Haut, nicht nur als Kleidungsstück, sondern auch als Luxuspflege

Seide enthält der menschlichen Haut verwandte Eiweiße - das macht sie zu einem idealen Inhaltsstoff für Kosmetikprodukte. Besonders im Anti-Aging-Bereich setzen Forscher auf das uralte Schönheitsgeheimnis aus dem Orient.

"Kommen Seide und Haut zusammen, verbinden sich ihre Proteine auf sanfte Art", wissen die Hautspezialisten von Kanebo. Das 1887 als Baumwollspinnerei in Tokio gegründete Unternehmen entwickelte 1936 eine Seife aus Seidenöl - die "Savon de soie" war damals eine regelrechte Sensation - und hat sich seither ganz dem mühsam aus den Kokons des Maulbeerspinners gewonnenen Rohstoff verschrieben.

Die Ursprünge der Seide liegen in China. In der traditionellen chinesischen Medizin wird Seidenpulver seit jeher gegen Hautprobleme eingesetzt. Japanische Geishas benutzten Streifen ihrer Seidenkimonos, um ihre Haut geschmeidig zu pflegen. Kabukischauspieler trugen weißes Make-up, das Seidenpulver enthielt.

Die Entdeckung der Seide für die moderne Kosmetik ist einem Zufall zu verdanken: Sanji Muto, in den dreißiger Jahren Geschäftsführer von Kanebo, fiel bei einem Fabriksrundgang auf, dass die Arbeiterinnen, die den Faden von Kokons spannen, ungewöhnlich schöne, gepflegte Hände hatten. Er vermutete, dass der stundenlange Kontakt mit Seide diesen Effekt hervorrief.

Umgehend ließ Sanji Muto Forscher seine Idee überprüfen - der erste Schritt im Wandel von der noch relativ kleinen Manufaktur zum Großkonzern. Heute hält das Unternehmen 84 Patente im Bereich der Anwendung von Seideninhaltsstoffen, seine Kosmetika sind in 49 Ländern weltweit erhältlich.

Mehr als 70 Jahre nach den Anfängen sind die Wirkstoffe der Seide gründlich erforscht: Seidenprotein besteht aus 18 Aminosäuren mit einer Struktur, die derjenigen der menschlichen Haut sehr ähnlich ist. Diese biochemische Verwandtschaft macht Seide so hautverträglich. Das Wasserbindungsvermögen ihrer Moleküle entspricht 300 Mal deren Eigengewicht, deswegen ist Seide ein perfekter Feuchtigkeitsspender. (apa)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Die Seidenraupe in ihrem Kokon

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