Norman Jewison: "Thomas Crown ist nicht zu fassen"

3. Februar 2006, 23:32
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Der Millionenraub, in dem Thomas Crown allein die Fäden zieht, ist das Vorgeplänkel auf den nächsten großen Wettkampf, in dem der gewinnt, der die Gefahr am längsten aushalten kann

Es hängt wohl auch mit diesem Lied zusammen, „The Windmills of Your Mind“, das gespielt wird, während Steve McQueen im Segelflugzeug über das Land schwebt. Allein dort oben, das weiß man auf einmal, erkennt McQueen, dass er niemals zufrieden werden wird, nie so jedenfalls wie andere Menschen. Vielleicht, denkt man in diesem Moment, wäre es besser, wenn er nicht zurückkehren würde auf die Erde. Denn er weiß dort oben, dass seine ausgeklügelten Raubzüge, seine teuren Hobbies, seine Wettleidenschaft doch nur Tricks sind, um die Zeit totzuschlagen, bis er wieder in die Sehnsucht und die Einsamkeit verschwinden kann. Selbst die Affäre mit seinem Widerpart, der kühlen Faye Dunaway als Versicherungsdetektivin Vicki Anderson, wird ihn später nicht zurückholen können, sie bleibt zuletzt nur ein Intermezzo unter den Menschen. „Du kannst den Wagen behalten“, steht in dem Brief, den er ihr zurücklässt.

Im Jahr 1968, als Norman Jewisons „Thomas Crown ist nicht zu fassen“ ins Kino kam, da hatte die Welt an anderen Orten das schlechte Gewissen entdeckt, aber in diesem Fim bleibt es außen vor, es gibt keinen Krieg und keine Hippies, nur smarte Anzüge, ein leichtes Anheben der Mundwinkel, das ist mehr als genug an Gefühlsduselei. Der Millionenraub, in dem Thomas Crown allein die Fäden zieht und keiner der fünf ansonsten unwichtigen Beteiligten den anderen kennt, ist das Vorgeplänkel auf den nächsten großen Wettkampf, in dem der gewinnt, der die Gefahr am längsten aushalten kann – wie einer, der zuletzt rausspringt aus dem Wagen, der auf einen Abgrund zufährt. Thomas Crown, der Held, ist weder gut noch schlecht, um Moral geht es nicht in diesem Wettkampf zwischen ihm, Polizei und Detektivin. Es geht darum, Haltung zu bewahren, bis die anderen ihre Fassung verlieren. Jewison hat diese kühle Ironie mit Splitscreens noch betont, manchmal sind mehrere Szenen gleichzeitig zu sehen, was damals noch wirklich ungewöhnlich war.

Im Flug, in dem Moment zwischen Himmel und Erde weiß man auch, dass dies nicht nur das Gefühl der Rolle Thomas Crown ist, das des reichen gelangweilten Gentleman, sondern auch das von Steve McQueen selbst. Das machte ihn so faszinierend, diese Abwesenheit, diese Kälte, die keiner aufbrechen konnte. Wenn Coolness einem bestimmten Augenblick zugeordnet werden könnte, es wäre jener, in welchem McQueen aus dem Flugzeug stieg und sich wieder einmal gegen die Traurigkeit stemmte, die ihn stets umgab unter den Menschen. (DER STANDARD, Printausgabe)

Von Petra Steinberger
  • Artikelbild
    foto: süddeutsche cinemathek
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