Priesterseminarist ließ zwei Jahre Kunstwerke mitgehen

9. Februar 2006, 13:55
2 Postings

Hat immer wieder Schriften und Karten aus Wiener Mechitharistenkloster abgezweigt und an Antiquariat verkauft - Diebstahl seltener Weltkarte flog auf

Wien - Über fast zwei Jahre hinweg hat ein 31-Jähriger Kunstwerke aus dem Mechitharistenkloster in Wien-Neubau mitgehen lassen. Aufgeflogen ist der in Mariahilf lebende Mann, nachdem er im November des Vorjahres eine sehr seltene und entsprechend wertvolle Weltkarte aus dem 16. Jahrhundert gestohlen hatte. Der Verdächtige wurde verhaftet, teilte ein Ermittler des Kriminalkommissariats Mitte am Dienstag mit.

Der 31-Jährige war über zwei Jahre hinweg ehrenamtlicher Mitarbeiter im Kloster. Neben einem Engagement im Chor kümmerte sich der Mann, der in Venedig Priesterseminarist bei den Mechitharisten war, sich auch um die Inventarlisten in der Bibliothek. Dabei dürfte er immer wieder Schriften und Karten abgezweigt und an ein Antiquariat in der Wiener Innenstadt verkauft haben. Zunächst bemerkte niemand die kriminellen Machenschaften des 31-Jährigen.

Nach Verschwinden der Weltkarte schaltete Kloster die Exekutive ein

Das änderte sich allerdings, als die Weltkarte fehlte, die in den Räumen des Klosters ausgestellt war. Das Kloster schaltete die Exekutive ein. Die Ermittler wurden bei dem Antiquariat nach umfangreichen Recherchen - unter anderem im Internet - fündig. Der Besitzer des Geschäfts hatte nichts von der kriminellen Herkunft der Karte bemerkt, die zunächst nicht als gestohlen gemeldet worden war. Unter anderem hatte sich der Händler beim Bundesdenkmalamt und beim Bundeskriminalamt erkundigt - jeweils ohne Ergebnis.

Die Kooperationsbereitschaft des Geschäftsbesitzers führte die Polizei schließlich zu dem Verdächtigen und zu den anderen Kunstwerken, die nahezu vollständig vorhanden waren. Insgesamt handelte es sich um 25 Bücher oder Schriften und 30 Karten. Der Gesamtschaden betrug rund 40.000 Euro, alleine die Karte aus dem 16. Jahrhundert hat einen Wert von etwa 25.000 Euro. Der 31-Jährige zeigte sich geständig, er wollte unter anderem durch den Erlös seine Familie im Libanon unterstützen. (APA)

Share if you care.