Hat immer wieder Schriften und Karten aus Wiener Mechitharistenkloster abgezweigt und an Antiquariat verkauft - Diebstahl seltener Weltkarte flog auf
Wien - Über fast zwei Jahre hinweg hat ein 31-Jähriger
Kunstwerke aus dem Mechitharistenkloster in Wien-Neubau mitgehen
lassen. Aufgeflogen ist der in Mariahilf lebende Mann, nachdem er im
November des Vorjahres eine sehr seltene und entsprechend wertvolle
Weltkarte aus dem 16. Jahrhundert gestohlen hatte. Der Verdächtige
wurde verhaftet, teilte ein Ermittler des Kriminalkommissariats Mitte
am Dienstag mit.
Der 31-Jährige war über zwei Jahre hinweg ehrenamtlicher
Mitarbeiter im Kloster. Neben einem Engagement im Chor kümmerte sich
der Mann, der in Venedig Priesterseminarist bei den Mechitharisten
war, sich auch um die Inventarlisten in der Bibliothek. Dabei dürfte
er immer wieder Schriften und Karten abgezweigt und an ein
Antiquariat in der Wiener Innenstadt verkauft haben. Zunächst
bemerkte niemand die kriminellen Machenschaften des 31-Jährigen.
Nach Verschwinden der Weltkarte schaltete Kloster die
Exekutive ein
Das änderte sich allerdings, als die Weltkarte fehlte, die in den
Räumen des Klosters ausgestellt war. Das Kloster schaltete die
Exekutive ein. Die Ermittler wurden bei dem Antiquariat nach
umfangreichen Recherchen - unter anderem im Internet - fündig. Der
Besitzer des Geschäfts hatte nichts von der kriminellen Herkunft der
Karte bemerkt, die zunächst nicht als gestohlen gemeldet worden war.
Unter anderem hatte sich der Händler beim Bundesdenkmalamt und beim
Bundeskriminalamt erkundigt - jeweils ohne Ergebnis.
Die Kooperationsbereitschaft des Geschäftsbesitzers führte die
Polizei schließlich zu dem Verdächtigen und zu den anderen
Kunstwerken, die nahezu vollständig vorhanden waren. Insgesamt
handelte es sich um 25 Bücher oder Schriften und 30 Karten. Der
Gesamtschaden betrug rund 40.000 Euro, alleine die Karte aus dem 16.
Jahrhundert hat einen Wert von etwa 25.000 Euro. Der 31-Jährige
zeigte sich geständig, er wollte unter anderem durch den Erlös seine
Familie im Libanon unterstützen. (APA)