Steven Spielberg: "Duell"

3. Februar 2006, 23:34
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Ein Zweikampf Mann gegen Mann, eine Konfrontation auf Leben und Tod – das ist es, was man unter einem Duell versteht. Ein Versprechen, das der Film auch einlöst

Ein Zweikampf Mann gegen Mann, eine Konfrontation auf Leben und Tod – das ist es, was man unter einem Duell versteht. Ein Versprechen, das der Film auch einlöst, allerdings erst ganz am Ende. Davor sieht man einen unheroischen Jedermann (Dennis Weaver), der es nicht fassen kann, dass dieser schwarze Tag tatsächlich auf das älteste Gesetz der Natur hinauslaufen soll: Töten oder getötet werden. Er ist ein ganz normaler Handelsvertreter, der jedem Streit aus dem Weg geht – was für einen Grund könnte es geben, ihn umzubringen? Es gibt keinen. Aber der mitleidlose Bastard, der ihn mit seinem uralten, aufgemotzten Peterbilt-Tanklaster auf einem einsamen kalifornischen Highway jagt, will ihn trotzdem ins Jenseits befördern ...

Anfängliche Zweifel (sollte es tatsächlich unmöglich sein, einem Tanklaster davonzufahren?) zerstreut Spielberg im Handumdrehen: Dies ist eben kein normaler Truck, sondern ein Monster. Die Tatsache, dass man das Gesicht des Fahrers nie zu sehen bekommt, trägt entscheidend zu dieser Wirkung bei. Die Möglichkeiten des Opfers sind schnell ausgeschöpft: Gas geben geht nicht, weil der Verfolger im Zweifelsfall schneller ist; und noch weniger bringt es, den Fahrer herauszufordern - er wird seine Fahrerkabine nicht verlassen. So nimmt das Gleichnis vom modernen Amerikaner, der wieder den Killer in sich entdecken muss, seinen Lauf. Ein paar Stationen bleiben besonders im Gedächtnis: Chuck’s Café, wo jeder oder keiner der Gegner sein könnte; der Zwischenstopp auf einer Klapperschlangenfarm; schließlich die Klippe, wo sich die Gegner zum finalen Duell gegenüberstehen.

Aber bleibt das alles nicht dennoch ein B-Picture, eine Fingerübung im simplen Suspense? Eben nicht. Gerade in der absoluten Reduktion der Handlung tritt so etwas wie die reine Magie des Kinos hervor, die ja vor allem aus Perspektive, Beschleunigung und Verlangsamung besteht. Unbelastet von Motiven und Psychologie (und all dem anderen Zeug, das eigentlich aus dem Theater stammt) entfaltet sich hier ein Schauspiel elementarer Gefühle und purer Kinetik. Spielberg war blutjung, hatte nur zwölf Tage Zeit – und doch ist „Duell“ vielleicht das klarste Beispiel seines instinktiven, beinahe animalischen Könnens. Spätere Filme waren perfekter, familienfreundlicher und auch moralisch wertvoller – aber hier dreht er wirklich um sein Leben, und zeigt sein unverfälschtes Genie. Ein frühes, wildes Meisterwerk, das auch Spielberg selbst, mit allem Geld der Welt, so nicht mehr hinkriegen würde. (DER STANDARD, Printausgabe)

Von Tobias Kniebe
  • Artikelbild
    foto: süddeutsche cinemathek
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