Federico Fellini: "Das süße Leben"

3. Februar 2006, 16:12
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Es ist eine der berühmtesten Szenen der Filmgeschichte, und ihr vor allem verdankt es „La Dolce Vita“ – Das süße Leben, dass ein großer Film auch ein erfolgreicher Film wurde

Es ist eine der berühmtesten Szenen der Filmgeschichte, und ihr vor allem verdankt es „La Dolce Vita“ – Das süße Leben, dass ein großer Film auch ein erfolgreicher Film wurde. Schon die Dreharbeiten waren eine Sensation. Tausende Neugierige wollten sehen, wie Anita Ekberg, dieses Fabelwesen aus dem Reich der Sexsymbole, in voller Abendgarderobe durch die Fontana di Trevi tanzt, ein Bild so bizarr und kühn wie skandalös, am Ende einer Odyssee durch das mitternächtliche Rom. Das Foto ging um die Welt, lange bevor der Film auch nur abgedreht war. Die Brunnensequenz ist der Höhepunkt einer Episode, die gerade mal ein Sechstel dieses Films ausmacht. Mit ihr wurde ein Weltstar geboren, für den es von nun an nur noch bergab gehen konnte. Ein Weltstar für dreißig Minuten.

Der eigentliche Star des Films freilich ist kein Schauspieler sondern eine Straße, die Via Veneto in Rom. Sie ist der Treffpunkt von Künstlern, Intellektuellen, Filmleuten und reichen Müßiggängern, einer Gesellschaft, für die sich bei uns der Begriff Schickeria einbürgern sollte. Es sind die späten fünfziger Jahre, die Wunden des Krieges sind weitgehend geschlossen, die Wirtschaft floriert wieder, und an der dünnen Oberfläche des Aufschwungs wandelt sich das Wohlgefühl bereits in Überdruss.

Fellini hat diese stets von einer Meute aus Fotografen und Journalisten umschwärmte Partysociety nicht erfinden müssen. Er war ebenso ein Teil von ihr wie Anita Ekberg, deren Sauf- und Streitszenen mit ihrem Lebensgefährten zum talk of the town gehörten „La Dolce Vita“ ist das ebenso farbige und reiche wie exzentrische Selbstbild einer in ihren Untergang verliebten Gesellschaft am Vorabend der großen Jugendrevolten. Für Federico Fellini, das glücksverwöhnte Genie des Weltkinos, war es der Höhepunkt seiner Karriere.

Es ist heute kaum mehr vorstellbar, dass ein Film, der auf eine Grundbedingung des Kinos, nämlich eine Geschichte zu erzählen, konsequent verzichtet, ein weltweiter Publikumserfolg werden konnte.

Selbstverständlich wurde „La Dolce Vita“ auch mit Preisen überhäuft, darunter die Goldene Palme von Cannes. Lediglich bei den Oscars sollte sich nicht zum dritten Mal ereignen, was zuvor schon „La Strada“ und „Le Notti di Cabiria“ zugestanden worden war, nämlich die Auszeichnung als bester ausländischer Film. Aber der wunderbare Szenenbildner Piero Gherardi wurde mit einem Oscar ausgezeichnet. Für den Hauptdarsteller Marcello Mastroianni, von nun an das Alter ego Fellinis, war es der Durchbruch zum Weltstar – im Gegensatz zu Anita Ekberg lebenslänglich. (DER STANDARD, Printausgabe)

Von Günter Rohrbach
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    foto: süddeutsche cinemathek
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